Wir haben Packlisten geschrieben, haben uns in gemeinsamen Telefonkonferenzen abgestimmt und gemeinsam auf das Rennen hingefiebert. Am 24. Juli machte ich mich dann zusammen mit 7 anderen Fahren aus dem Chariteam in einem speziell dafür angemieteten Sprinter XL auf in die Eifel zum 24 Stunden Rennen am Nürburgring – dem Rad am Ring.

Meine Rad am Ring Erfahrung

Die Fahrt zog sich ewig und mit jedem Kilometer, mit dem wir unserem Ziel näher kamen zogen auch immer mehr Wolken auf. Als wir um 19 Uhr bei Rad am Ring ankamen mussten wir uns also beeilen unsere Zelte aufzubauen um noch vor dem Regeneinbruch ein Dach über dem Kopf zu haben. 

Unser Fahrerlager

Unser Fahrerlager

Da ich mich zusammen mit einer meiner Mitfahrerinnen dazu entschieden hatte noch eine Nacht im Hotel zu schlafen, fuhren wir in das 4 km entfernte Hotel Rieder. Eine weise Entscheidung, wie sich am nächsten Morgen beim Anblick unserer durchnässten Mitfahrer rausstellte.
Auch Samstag dominierten Regen und Sturmböen und somit wurde der Start zunächst auf 13 Uhr und anschließend auf 20 Uhr verlegt. Das Warten verbrachten wir primär mit dem Sichern unserer Zelte, denn wie sich herausstellte war unsere Ausrüstung nicht der Wettersituation angemessen.

Der Start - abends um 20.00 Uhr

Der Start – abends um 20.00 Uhr

Als es endlich um 20 Uhr los ging und unsere erste Fahrerin meines 4er Damenteams sich auf den Weg machte, waren wir alle froh. Es war zwar kalt und irgendwie war alles nass und klamm – aber zumindest hatte das Warten ein Ende. Da ich erst als 4te Starterin ins Rennen ging war es bei meinem Start um kurz nach 23 Uhr stockdunkel. Meine Nerven lagen zu diesem Zeitpunkt schon blank. Die Dunkelheit machte mir Angst, denn ich wusste, dass gerade die Abfahrt zu Beginn der Strecke bis zur Fuchsröhre sehr schnell und kurvenreich ist. Ich bin bergab eher eine vorsichtige Fahrerin, da die Verantwortung, die ich als Mutter von 3en mit mir trage immer mit auf dem Lenker sitzt.

Kurz vor meiner ersten Runde hatte ich somit Tränen in den Augen und wollte einfach nur noch, dass es endlich los geht für mich.
Als ich endlich auf dem Rad war fühlte ich mich direkt besser – und als ich dann die Steile 8 auch noch problemlos bezwang war das Gefühl beim Eintreffen zum Wechsel mit unserer ersten Fahrerin einfach überragend!

Ich - Nachts in der grünen Hölle. ©Sportograf

Ich – Nachts in der grünen Hölle. ©Sportograf

Nach so einem Wechsel heißt es Essen, Trinken und trockene Kleidung anziehen.
Danach legte ich mich eine Stunden in den Kofferaum unseres Sprinters und versuchte etwas zu schlafen. (Zum Glück kann ich immer und überall schlafen). Nach dem Aufstehen wieder umziehen, eine Kleinigkeit essen und für den Wechsel bereit machen. Und um 4.30 machte ich mich erneut auf den Weg in die „grüne Hölle“ auf die 27km Strecke mit 500 hm, diesmal in der beginnenden Dämmerung. Zu diesem Zeitpunkt waren es lediglich 4 Grad. Ich trug eine lange Radhose, dicke Skisocken, Neopren Überschuhe, lange Handschuhe, ein Stirnband. Es war kalt!
Nach 1:20 Uhr kam ich wieder in der Wechselzone an. Auch diesmal musste ich an der Hohen 8 nicht absteigen – und war wieder voller Adrenalin bei der Transponderübergabe an meine Teamkollegin.

Dies war der Zeitpunkt wo mein Körper eigentlich nicht mehr wollte....

Dies war der Zeitpunkt wo mein Körper eigentlich nicht mehr wollte….

Die nächste Pause forderte ihren Tribut und das Aufstehen nach einer Stunde Schlaf war besonders schwer. Alles war nass und kalt und ließ sich selbst im Schlafsack nicht mehr aufwärmen. Ich wollte nur noch in mein Bett! Zu diesem Zeitpunkt sendete mir meine kleine Schwester eine Sprachnachricht meiner Tochter, die mir die nötige Motivation brachte. So saß ich kurze Zeit später wieder auf dem Rad und begab mich auf meine 27 km Runde.

Hergab in die Fuchsröhre ©sportograf

Bergab in die Fuchsröhre – bei Sonnenschein am Sonntag Morgen ©sportograf

Am Ende hatten wir 13 Runden in den Beinen und waren 16 Stunden auf dem Ring unterwegs.

Mein Team war so unglaublich toll und ich bin dankbar für diese wundervollen 3 Damen, die mit mir dieses Wagnis eingingen und überstanden haben.

Unsere gefahrene Leistung! Stolz!

Unsere gefahrene Leistung! Platz 10 in unserer Altersklasse!

Die letzten Meter der letzten Runde fuhren wir noch mal gemeinsam und beendeten Rad am Ring somit mit dem gemeinsamen Erreichen der Ziellinie. Ein echter Gänsehautmoment.

Sonnenaufgang am Nürburgring ©Sportograf

Sonnenaufgang am Nürburgring ©Sportograf

Es war eine echte Grenzerfahrung – mein Körper und vor allem mein Kopf waren am Limit und haben mich dennoch immer weiter getragen. Das Gefühl, was bleibt ist unbeschreiblich!

Ziel erreicht!

Ziel erreicht!

Ob ich nächstes Jahr noch mal dabei bin?

Nach ein paar Tagen Abstand könnte ich es mir durchaus vorstellen. Allerdings mit einer optimierten Packliste, die ihr hier findet – und wenn möglich in einer der Fahrerboxen, die es am Nürburgring gibt. Denn das Wetter in der Eifel ist unberechenbar – das weiss ich jetzt.

 

Eure Andrea

 

Dieses Rennen war Teil meiner Charity-Aktion: Meine Muskeln für MS. Ich würde mich über ein Spende von Euch sehr freuen!