Manchmal gibt es Beiträge, die brauchen sehr lange in meinem Kopf, bis ich sie zu Papier bringen kann.
Über Vereinbarkeit habe ich in der Vergangenheit schon so viel geschrieben und dennoch gibt es immer noch so viele Facetten mit denen ich mich in meinem Blog noch nicht befasst habe. Schule und Vereinbarkeit.

Im Mai fand auf die Initative von Scoyo.de hin ein viraler Elternabend statt, mit den Speakern Patricia von das nuf, Mathias Voelchert von familylab.de, Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach alias @lueblue und die Autorin Susanne Garsoffky teilnahmen.

Schule und Vereinbarkeit

In diesem Beitrag wurden viele spannende Ansätze was die Sache mit der Vereinbarkeit angeht diskutiert und auch ich konnte einige neue Ansätze für mich daraus ziehen.

Heute will ich mich daher aus aktuellem Anlass mit einem bestimmen Thema bezüglich der Vereinbarkeit von beruflichen und familiären Herausforderungen beschäftigen.

Arbeitende Eltern und Schulkinder

Warum genau diese Thema? Weil es gerade kurz vor der Einschulung für viele besonders aktuell ist und sich für uns vieles ändert mit dem Wechsel vom Kindergarten zur Schule. Von einer recht gesicherten Betreuung mit 30 Schließtagen hin zu einer meist gesplitteten Betreuung zwischen Schule und Hort oder Mittagsbetreuung. Dies ist oftmals noch gepaart mit wesentlich mehr Schließzeiten als in der vorschulischen Betreuung.

Das Extra-Plus ist dann noch der neue, schulische Druck und das Erledigen von Hausaufgaben, das erst mal Unruhe in das Familienleben bringen kann.

Wir haben uns vor 2 Jahren für eine späte Einschulung entschieden.(Hier nachzulesen) D.h. unser Sohn wurde kurz nach seiner Einschulung 7. Auch wenn ich im Jahr vor der Einschulung mit dieser Entscheidung oft gehadert habe, bin ich heute sehr froh darüber sie so getroffen zu haben.

Unser Sohn wäre sicherlich auch im Jahr davor intellektuell in der Lage gewesen mit dem Schulstoff klar zu kommen. Aber die gemeinschaftlichen Herausforderungen die so eine Klassengemeinschaft und die 20 Minuten auf dem Pausenhof mit 3. und 4. Klässlern mit sich bringen hatte ich damals unterschätzt.

Mit fast 7 war unser Sohn nicht nur körperlich einer der Größten in seiner Klasse, sondern hatte auch die Möglichkeit innerlich noch ein Jahr mehr zu reifen.

Am ersten Elternabend bat uns die Lehrerin um folgende zwei Dinge – für die ich ihr bis heute dankbar bin.

1. Lassen Sie ihr Kind möglichst alleine und zu Fuß zur Schule kommen

2. Korrigieren sie nicht die Hausaufgaben ihrer Kinder auf Fehler. Wenn die Hausaufgaben fehlerfrei zurückkommen, weiss ich nicht, wo ihr Kind noch Förderungsbedarf hat.

Warum? Darum?

1. Selbstständig zur Schule:

Unser Sohn läuft seit dem 2. Schultag jeden Tag selbst zur Schule. Im Winter überbrückt er den Weg mit einer kurzen Schulbusfahrt um nicht in der Kälte laufen zu müssen. Sobald kein Schnee liegt läuft er am liebsten zu Fuß. Auf dem Weg in die Schule trifft er Kinder aus der Nachbarschaft, die auf ihn warten und Klassenkameraden. Er kann sich mit ihnen noch vor der Schule austauschen, ohne dass ein Elternteil zuhört oder sie dabei stört. Das tut ihm gut und fördert seine soziale Kompetenz auf eine ganz natürliche Weise. Außerdem entlastet es uns als Familie, denn ich muss ihn bei seinem Weg nicht begleiten sondern kann mich um seine Geschwister kümmern.
Wir konnten sein Selbstbewusstsein wachsen sehen, weil er stolz auf sich ist über seine tägliche Leistung. Er gewann eine Freiheit die er schätzt und genießt und und gleichzeitig als Familie unglaublich entlastet.

2. Schulthemen minimieren:

Wir haben das große Glück einen unglaublich tollen Hort für unseren Sohn gefunden zu haben, der in Laufweite von unserem Haus liegt. Hier macht unser Sohn  jeden Tag bis auf Freitag seine Hausaufgaben. Somit sind am Nachmittag oder Abend lediglich das tägliche Lesen festes Schulthema zu Hause. Zudem ist er sehr gewissenhaft, so dass ich mich schnell darauf verlassen konnte, dass er die Hausaufgaben vollständig erledigt.
Mit der Bitte der Lehrerin die Hausaufgaben nicht auf Fehler zu korrigieren war Schule und Hausaufgabe somit selten ein großes Thema bei uns zu Hause. Klar gab es in dem Jahr auch mal ne schlechte Note – diese wurde dann gemeinsam analysiert und die Fehler nochmals gesondert geübt. Darüber hinaus wird bei uns zu Hause ganz bewusst so wenig wie möglich über schulische Leistung gesprochen.
Schule ist somit ein durchweg positives Thema und der Große verlässt jeden Morgen gerne das Haus und freut sich darauf Neues zu lernen und seine Freunde zu treffen.

Mir ist klar, das dies nicht für immer so bleiben wird – aber ich hoffe, dass wir mit dieser selbstbestimmten und -bewussten Art und Weise, die unser Sohn in den letzten zwei Jahren erleben durfte unsere positive Grundeinstellung möglichst dauerhaft bewahren können.

Wusstet ihr zudem, dass 50% aller Abiturprüfungen in Bayern über den 2. Bildungsweg abgeschlossen werden.  D.h. über die BOS, FOS, Berufskolleg und Co. D.h. vielleicht sollten wir uns und unseren Kindern auch gar nicht so viel Druck machen, weil ohnehin viele Wege zum Abitur führen, oder?

Lieber Gruß

Eure Andrea