Brauchen wir mehr Mut?

Als mich mein Chef damals im Bewerbungsgespräch fragte, ob ich auch hin und wieder Geschäftlich reisen könnte war meine Antwort „alles was nicht zu kurzfristig ist lässt sich in der Regel problemlos lösen“.

Ich gestehe, ich wusste damals nicht, ob ich dieses Versprechen halten könnte, denn ich hatte bis dato keine Erfahrung damit, aber ich wusste, dass ich diesen Job unbedingt wollte.

Heute, 9 Monate später weiss ich, dass mein Versprechen kein leeres Versprechen war. Bis dato waren alle Geschäftsreisen, auf die mich mein Chef schickte problemlos handelbar. Auch mit 3 Kindern.

Ursprünglich dachte ich, dass an Tagen, an denen ich nachmittags nicht zu Hause sein konnte mein Mama nachmittags auf meine Kids aufpassen könnte. Aus familiären Gründen ging dies dann aber leider nicht mehr. Also musste nun Plan B her. Und so fragte ich die Azubine aus dem ehemaligen Kindergarten vom Großen, ob sie hin und wieder nachmittags einspringen könnte, wenn ich beruflich unterwegs bin.
An Tagen an denen ich also beruflich auch nachmittags unterwegs bin holt sie die Kleinen von der Kita ab – spielt mit ihnen, bereitet das Abendessen vor und macht sie „bettfertig“.
Wenn ich dann meist gegen 19.30 Uhr zu Hause bin übernehme ich und bringe die Kleinen ins Bett.
Oder mein Mann ist früher zu Hause und hat die Kids  schon zu einem früheren Zeitpunkt übernommen.

Warum ich das Euch erzähle?


Weil ich immer wieder überrascht bin, dass ich in den meisten Fällen eine von 5 Frauen im morgendlichen „Red-Eye-Bomber“ bin. Neben mir 95% Männer in schwarzen Anzügen oder blauen Kurzarmhemden.

Wo seid ihr Frauen alle?

Haben wir in der Regel Jobs in denen reisen (und sei es auch nur Morgens hin und Abends zurück) nicht nötig ist? Scheuen wir uns vor dem Schritt aus beruflichen Gründen auch mal nachmittags oder über Nacht nicht bei den Kindern zu sein?

Und viel spannender – warum machen es im Gegenzug so viele Männer ohne dies überhaupt zu hinterfragen oder zu hadern?

Oder trauen uns die Unternehmen diese Flexibilität nur einfach nicht zu?

Da ich in einem zudem sehr „männerlastigen“ Umfeld tätig bin, hatte ich bis dato kaum die Möglichkeit dies mit anderen Müttern zu diskutieren und bin daher unglaublich gespannt darauf, wie ihr das seht?

Wie ihr darüber denkt?

Ich glaube wir Frauen sollten uns viel mehr zutrauen und Mut beweisen. Gerade auch in beruflichen Dingen.

Was denkt Ihr?
Ich freue mich auf Eure Meinungen

Eure Andrea

 

5 Kommentare

  1. Hallo Andrea,

    schade, dass dir hier keiner drauf geantwortet hat. Dabei ist das genau mein Thema und es hätte mich noch die eine oder andere Meinung interessiert.

    Ich reise beruflich, denn ich bin Beraterin und täglich bei meinen Kunden vor Ort. Zum Glück haben wir viele Kunden in Berlin, aber eben nicht alle. Meine Einstellung vor dem Kind: Die Väter machen das doch auch alle. Warum soll ich das als Mutter nicht auch hinkriegen?

    Meist habe ich alle 2 bis 3 Wochen einen 2-Tagestermin in einer anderen Stadt. Ich nehme abends den letzten Flieger oder einen späten Zug. Für meine Familie macht es keinen Unterschied, ob ich abends spät verschwinde oder morgens sehr früh. Viel mehr wird es zum Problem, wenn das Kind morgens um 5 Uhr wach würde und nicht mehr schläft. Für mich ist es auch toll. Ich komme sehr spät abends in einem Hotel an, kann ein wenig länger schlafen als zu Hause und habe dann noch ein tolles Hotelfrühstück.

    Mein Mann arbeitet 40 h – Vollzeit mit einem tollen Gleitzeitmodell. An den Tagen, an denen ich weg bin, muss er das Kind in die Kita bringen und auch wieder abholen. Das heißt an diesen Tagen kann er keine 8 Stunden arbeiten, sondern muss das an anderen Tagen vorarbeiten.

    Meine Einschätzung nach einem Jahr: Ja, man bekommt das auch als Mutter hin, wenn man es zu Hause organisieren kann. Aber ganz ehrlich: Meine Kundentermine in anderen Städten bringen mich beruflich auch nicht mehr voran, als meine Termine vor Ort. (Weiterbidlung mal ausgenommen.) Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, aus der Beratung auszusteigen und das Reisen spielt dabei eine große Rolle. Das Reisen bedeutet für mich mehr Stress (Reisezeit ist keine Arbeitszeit!) und für meinen Mann (2 Tage alles allein organisieren). Ich bin nach wie vor bereit, auch beruflich zu reisen, aber für mich ist es immer mehr eine Frage des Umfangs.

    Ich finde es toll, wie du es organisiert bekommst. Schade finde ich es, dass dein Mann an den Tagen nicht einspringen kann. Ich muss als Frau bei der Arbeit klare Ansagen machen, was geht und was nicht, damit ich meine Familie mit meinem Beruf vereinbaren kann. Damit stoße ich meist auf Verständnis, aber manchmal auch auf Widerstände. Ich finde auch Männer müssen sich das Recht herausnehmen, solche Ansagen zu machen. Und gerade in deinem Fall scheint es ja nicht jede Woche vorzukommen.

    Viele Grüße
    Denise

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  2. Hallo liebe Denis,
    ja ich bin auch etwa traurig und überrascht, dass sich zu diesem Thema so wenige Frauen äußern.
    Irgendwie sehr schade.

    Zumal es ja auch ne Menge anderer Blogger-Damen gibt, die hin und wieder auf Events in anderen Städten sind und es auch hier spannend wäre zu erfahren, wie sie es machen.

    Die Gleitzeit-Regelung Deines Mannes ist klasse und macht vieles entspannter! Leider sind wir damit nicht gesegnet und müssen daher etwas mehr jonglieren. Dennoch bringt sich mein Mann im möglichen Rahmen voll ein. Denn anders würde es gar nicht gehen.

    Danke für Deinen Kommentar! Und ich wünsche Dir mehr beruflicher Vorankommen – damit sich Deine Reisetätigkeit auch Auszahlt.
    Lieber Gruß
    Andrea

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  3. Hallo,

    witziger Weise bin ich auf diesen Artikel gestoßen, weil auf Twitter darüber diskutiert wurde, warum so wenig darüber kommentiert wird. Also klicke ich auf den Artikel und denke: Huch, da habe ich tatsächlich auch mal was zu beizutragen. Also kommentiere ich.

    Bis mein Kind geboren war, habe ich in einem Job gearbeitet, wo Dienstreisen wirklich zum Alltag gehörten. 2 x im Jahr war ich wochenlang unterwegs und in der Zwischenzeit immer wieder vor Ort zu Kunden oder anderen Zweigstellen, etc. pp. Ich habe so sehr viele andere Menschen kennengelernt, die ebenfalls viel auf Dienstreise sind. Dazu sind auch sehr viele meiner Freunde und auch mein Mann häufig auf Dienstreise. Das Thema ist also bei mir sehr präsent.

    Ich würde sehr gern wieder in meinen alten Job zurückkehren, aber da mein Mann auch viel auf Dienstreise ist, haben wir es noch schwerer. Weiterhin haben wir unser Kind, 2 1/2 Jahre alt, leider noch nicht dazu bekommen ohne mich zu schlafen. Das Kind ist eigentlich nicht so schwierig (finde ich), aber was das Schlafen angeht, da ist es auf mich fixiert. Hätte ich mir vor der Geburt nicht träumen lassen, dass es so kommen würde und ich gebe offen zu, dass ich mich regelmäßig frage, was wohl falsch gelaufen ist. Grundsätzlich haben sich die Großeltern bereit erklärt zusätzlich zur Kita zur Verfügung zu stehen und auch für Übernachtungen sind sie offen. Ob das irgendwann in der Praxis funktionieren wird, nun, leider habe ich daran einige Zweifel… Nachdem aber mein Kind seit 2,5 Jahren meinen Schlaf fragmentiert, haben Dienstreisen auch wieder eine ganz neue Attraktivität. Früher mochte ich die Nächte in Hotels nicht grade. Aber inzwischen…
    😉

    Nun möchte ich hier aber noch eine Beobachtung einfügen, die ich im Laufe der Zeit gemacht habe. Ich habe mit etlichen Menschen über ihre Dienstreisen gesprochen, Männern wie Frauen, und ich habe sehr oft gehört, dass grundsätzlich nichts gegen Dienstreisen spricht, dass aber die Vorgesetzten häufig inflationär damit umgehen. Häufig wurde mir berichtet, dass Leute zu Konferenzen geschickt wurden, obwohl vorher schon feststand, dass kaum relevante Themen dort behandelt werden. „Ja, aber es könnte sein, dass sie interessante Kontakte dort knüpfen können!“ Sehr oft konnten die Leute vor Dienstreisen schon absehen, dass es nichts bringen würde, aber die Vorgesetzten ignorierten das. „Fahren sie sicherheitshalber mal hin.“ Oder sie mussten früher kommen und/oder länger bleiben, als eigentlich notwendig gewesen wäre. „Falls bei den Vorbereitungen was schief geht.“ „Falls noch jemand Fragen hat.“. Diese Haltung vieler Vorgesetzter ihre Untergebenen sicherheitshalber zu schicken, obwohl doch genügend Indizien darauf deuteten, dass es unnötig sein wird, war äußerst kontrapoduktiv. Mir selbst passierte das auch ständig und ich hasste es. Meist verbrachte ich den ganze Tage nur mit Warten. Oder es fanden Meetings statt, bei denen nichts entschieden werden konnte, weil wichtige Informationen oder Personen fehlten. Aber wenn man Einwände gegen eine Dienstreise vorbringt, dann wird das von den Vorgesetzten gern als Faulheit ausgelegt. Weiterhin führte dieses inflationäre auf Dienstreise schicken auch dazu, dass die Reisekosten der Unternehmen ständig stiegen. Das wurde von der Führungsspitze gerügt und dann versucht man wiederum Reisekosten einzusparen. Aber statt nun bei jeder Dienstreise endlich mal gründlich abzuwägen, ob sie nun tatsächlich sinnvoll und notwendig ist, ober ob es nicht reicht das telefonisch oder schriftlich zu klären oder nur zu den Kernzeiten zu kommen, etc. wurden stattdessen billigere Hotels verordnet, Reisekostenpauschalen gekürzt, umständliche Fahrgemeinschaften verordnet, die ganze Tage verschlingen konnten und so weiter. Das macht selbstverständlich die Dienstreisen noch unangenehmer für die Beteiligten. Dieser mangelnde Respekt vor der Zeit der Angestellten ist besonders beim Thema Dienstreisen ein echtes Ärgernis. Und ich glaube, dass Frauen, die vor der Mutterschaft solche Erfahrungen gemacht haben, besonders kritisch gegen Jobs mit Dienstreisen eingestellt sind. (Eine Unannehmlichkeit, die mir nur von Vätern berichtet wurde, war dass bei Dienstreisen nicht selten der Druck aufgebaut wird gemeinsam mit den anderen in Stripclubs oder Bordelle zu gehen.)

    Ich bin für meine eigene berufliche Zukunft durchaus bereit Dienstreisen in Kauf zu nehmen, aber ich werde mehr als vor der Mutterschaft darauf bestehen nur zu fahren, wenn ich selbst davon überzeugt bin, dass es um eine sinnvolle Dienstreise geht. Immerhin verbrauchen Dienstreisen nicht nur viel Zeit und kosten eine Menge Geld, sie sind auch nicht grade umweltfreundlich. Ich finde jedes Unternehmen sollte da seine Verantwortung wahrnehmen. Ich kann mir jedoch nach meiner bisherigen Erfahrung gut vorstellen, dass diese Einstellung nicht unbedingt karriereförderlich ist. Leider.

    Weiterhin gibt es auch institutionelle Möglichkeiten die Dienstreisebereitschaft von Müttern zu erhöhen. In Schweden gibt es bspw. auch 24/7 KiTas, die sehr flexibel auf die Bedürfnisse der Eltern eingehen können. Und ich bin sicher es würde helfen, wenn Mütter nicht ständig von anderen Menschen vorgehalten würde, dass es un-ver-ant-wort-lich sei, wenn die Kinder länger als ein paar Stunden von ihren Müttern getrennt sind. Wenn ich beispielsweise erzähle, dass ich bei einem möglichen zweiten Kind gern schon im ersten Lebensjahr einen Kitaplatz hätte, dann bekomme ich meistens zu hören: „Das kannst du nicht machen! Die Liebe die du dem Kind im ersten Lebensjahr gibst, die kann es nie von einer Erzieherin bekommen! So kleine Kinder gehören zu ihrer Mutter.“ Wenn man als Mutter so eine Mentalität im Umfeld hat, wird es wirklich schwer den Mut zu entwickeln, den Du ansprichst.

    Viele liebe Grüße
    Esther

    Antworten
  4. Hallo Andrea,
    Ich denke, du bringst es zum großen Teil auf den Punkt. Ich war vor meinen Kindern Unternehmensberaterin und mindestens 2 mal wöchentlich auf diesen Flügen. Nach Geburt meines ersten Kindes habe ich mir diesen speziellen Job nicht mehr zugetraut und habe mich selbständig gemacht. Jetzt sitze ich zu Hause am Schreibtisch, mache mein Ding und kann auf die Kinder jederzeit flexibel reagieren. Aber ich vermisse es, in der „Welt da draußen“ tätig zu sein (und dazu gehört eben auch das Fliegen ;-)), mehr Verantwortung zu haben, mal raus zu kommen, in Teams zu arbeiten, etc… Und ja, auch in meinem Fall hat es ein wenig mit Mut zu tun. Mut, die Herausforderung anzunehmen. Mut, sich dem möglichen Chaos und der Anstrengung zu stellen. Mut, dem Partner auf die Füße zu treten, wenn es für ihn nicht selbstverständlich möglich ist, die frühen Morgen oder den Nachmittag abzufedern. Aber es ist nicht nur Mut. Ich denke, es gibt verschiedenste Gründe. Manchmal ist es schlicht der falsche Job, in den man so nicht zurück kehren kann. In meinem Beispiel war mir 60% einer 80 Stunden Woche zu viel. Manchmal ist es der falsche Partner – wie ja auch schon Ms Sandberg schreibt. Manchmal ist es aber auch Bequemlichkeit. Denn solche langen Tage erfordern einiges an Vorbereitung, man braucht die richtigen Babysitter, man mutet sich einiges zu… es ist anstrengend! Und ich denke, viele Frauen scheuen all das – noch dazu, wenn es sich finanziell nicht wirklich rentiert.
    Es ist und bleibt ein spannendes Thema – ich würde gerne mehr über die Beweggründe und Sichtweisen anderer Frauen hören – und aber auch über die Motivation, die sie antreibt, es trotzdem zu tun!
    Viele Grüße,
    Pia

    Antworten
  5. Hallo Andrea,

    ja, Dienstreisen gehörten auch zu meinem Alltag, wobei sie sich auf ein (für mich) gut handhabbares Maß beschränkten. 1mal im Monat für je 1-4 Tage innerhalb Deutschlands mit Übernachtung. Wie ich das organisiert habe mit Kleinkind und einem Gatten, der die Werktage beruflich bedingt wohnortfern verbringt?

    Nun, wir haben seit etlichen Jahren Au-Pairs. Und sobald die sich in unserem Alltag eingelebt haben, mussten sie ran. Wenn es irgend ging, beim ersten Mal nur für eine Dienstreise mit 1 Übernachtung, später dann mit mehreren Nächten.

    Und ja, ich kenne den Ärger über Dienstreisen, bei denen nichts herauskommt, weil Entscheider noch nicht an- oder schon wieder abgereist sind. Über unpassende Agenden, über Menschen, die labern anstatt etwas zu sagen, über Zeitverschwendung durch Hahnenkämpfe.

    Und ja, manchmal hatte ich ein schlechtes Gewissen oder ein blödes Gefühl: Wenn das Au-Pair beim abendlichen Telefonat sagte, dass der Kurze fieberte und ich ihr buchstabierte, welches Zäpfchen sie ihm geben durfte. Bis ich endlich auf die Idee kam, ihr ein Foto der Packung zu schicken…

    Und ja, es gab den Fall, dass ich am Montagmorgen (ausgerechnet!) die Dienstreise absagen musste, weil der Nachwuchs immer noch pseudokruppte und ich kaum das Au-Pair mit ihm zum Arzt schicken konnte… Ob mein Chef dafür Verständnis hatte? Na sicher!

    Und ja – die ruhigen Nächte im Hotelbett ohne meinen kleinen „Co-Schläfer“ habe ich geliebt!

    Fast ein Grund, wieder mehr Dienstreisen zu machen…

    Herzliche Grüße,
    Ulrike Behl

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