Digitale Rastlosigkeit! Ich weiss gar nicht, ob es diesen Begriff überhaupt gibt. Aber genau so fühle ich mich immer öfter. Rastlos. Getrieben. Aus dem Netz heraus in mein „echtes Leben“. Warum das so ist? Dies ist ein Erklärungsversuch.

 

Digitale Rastlosigkeit
oder
der Sturm in meinem Kopf

 

Es geht mir in letzter Zeit hin und wieder nicht besonders gut! Doch das weiss kaum jemand. Denn nach Außen bin ich eigentlich immer noch die starke und selbstbewusste Frau, die ich sein möchte. Doch in meinem Kopf und meinem Herz – da sieht es manchmal ganz anders aus.

Da ist kein Selbstbewusstsein, da bin ich weit weg von meiner inneren Mitte und hadere mit mir. Nicht immer – aber eben doch zu oft.

Ich habe lange darüber nachgedacht warum das so ist – habe ich doch eigentlich alles, was zum Leben braucht. Eine gesunde Familie, ein gesichertes Einkommen und ein schönes zu Hause. Ich weiss, dass ich ein wirklich gesegneter Mensch bin und darüber bin ich auch sehr dankbar. Doch trotzdem ist in mir diese Unruhe. Manchmal ist die Unruhe nur ein laues Lüftchen und manchmal ein echter Orkan.

Ich bewege mit beruflich sowie privat viel im digitalen Raum. Das Netz ist für mich ein Ort der Teilhabe, meine berufliche Heimat und der Ort zum Austausch über räumliche Grenzen hinweg. Hier bekomme ich die Möglichkeit durch Blogs und soziale Netzwerke durch das Schlüsselloch anderer Menschen zu blicken. Oft finde ich genau diesen Blick als wahre Bereicherung, denn diese Einblicke sind für mich Impulse, bringen mich zum Nachdenken und motiviert mich neue Ziele zu erreichen.

 

Da ist auch dieser digitale Druck…

 

So sehr ich diese Möglichkeit und diese Impulse zu schätzen weiss so macht dieses Ganze eben auch etwas mit mir, dass mit zunehmend zu schaffen macht. Ich sehe zum einen, was andere schaffen, machen und erleben und frage mich, warum ich das nicht so hinbekomme. Oder ich sehe Dinge, die in der Lebensphase in der ich gerade bin – als Mutter von 3 Kindern – einfach nicht erreichbar sind und merke, wie mich dies unglücklich und unzufrieden macht. Oft sind diese Dinge nur im digitale Raum – aber irgendwie schaffen sie es in meinen Kopf und meine analoge Welt.

Es gibt so viele Punkte in meinem Leben, die ich gerne besser machen möchte – an denen ich aber immer wieder scheiter, weil eben nicht alles auf einmal geht. Weil ich eben auch nur ein Mensch bin. Und dennoch dreht sich täglich in meinem Kopf diese Gedankenspirale, wie ich mich selbst und mein Leben noch mehr optimieren kann um möglichst viel von meinen Wünschen zu Zielen zu erreichen.

 

Optimieren bis der Kopf raucht

 

Parallel zu all diesen Gedanken und Optimierungsversuchen werde ich dann in so vielen Situationen meines Lebens daran erinnert, was ich doch noch alles besser machen kann…

  • Wenn ich im Supermarkt die Tomaten nehme, die zwar aus der Region kommen, aber dennoch mit Plastik umverpackt sind, habe ich sofort ein schlechtes Gewissen, denn ich bin nicht nachhaltig genug. Und ich denke darüber nach…
  • Wenn ich meinen Kindern schon seit einer Woche abends nichts vorgelesen habe, weil im Alltag mit drei Kinder dazu manchmal einfach keine Zeit ist fühle ich mich schlecht. Und ich denke darüber nach…
  • Wenn ich mein Haus nicht mit Osterdeko schmücke und auch keine Ostereier bemale, da wir diese Ostern einfach nicht da sind, dann habe ich Angst ich beraube meine Kinder einer wunderschönen Erinnerung an die Osterrituale ihrer Kindheit. Und ich denke darüber nach…

Dabei ist der Vergleich gar nicht das, was mich so rastlos macht, sondern da ständige darüber nachdenken! Ich habe das Gefühl mein Kopf hat kaum eine Möglichkeit einmal zur Ruhe zu kommen, seine eigene Mitte zu finden ohne Optimierungsgedanken und Zwiegespräche mit mir selbst.

Da sind so viele Erwartungen, die ich selbst an mich stelle, die die Gesellschaft an mich hat und so viel Unerreichbares jeden Tag, dass ich das Gefühl habe die Liste an Dingen, die ich machen sollte wird immer, immer länger. Mein Tag wird es aber nicht.

 

Frei sein

 

Stop mit „to Do Listen“
Ein Hoch auf „Did not do Listen“

 

Ich habe lange überlegt, was ich gegen diese digitale Rastlosigkeit tun kann. Die letzten Tage im Urlaub, die ich viel ohne das Digitale, dafür viel in der freien Natur und auf meinem Rennrad verbracht habe, haben mir dabei sehr geholfen.

Ich kann und darf nicht ständig versuchen mich, mein Umfeld und meine Familie zu optimieren. Ich muss mich noch mehr frei machen von Erwartungen anderer und dafür wieder mehr zu meiner eigenen Mitte finden. Es darf in meinem Kopf nicht immer darum gehen, was ich alles nicht geschafft habe, oder was ich besser machen kann um noch mehr zu schaffen. Ich muss es mir erlauben – oder in diesem Fall auch fast erzwingen einfach mal NICHT ZU DENKEN.

Denn was mich am Ende so rastlos macht, ist gar nicht das TUN an sich, sondern die Gedankenarbeit, die das Erfüllen von allen Pflichten, Erwartungen und Anforderungen an mich selbst mit sich bringt!

 

Der „did not do Donnerstag“

 

Ich bin mir sicher, diese „Digitale Rastlosigkeit“ so wie ich sie beschrieben habe kennt die ein oder andere von euch auch. Und um ein bisschen was von den überhöhten Zielen zu nehmen, möchte ich nun jeden letzten Donnerstag im Monat den „did not do Donnerstag“ auf meinem Blog ins Leben rufen. An diesem Donnerstag werde ich euch von Dingen erzählen, die ich in diesem Monat NICHT geschafft habe. Teils, weil ich mich bewusst dagegen entschieden habe, teils weil ich sie schlicht und ergreifend nicht geschafft habe.

Ein bisschen soll dieser „did not do Donnerstag“ als eine Art Beichte sein, in der ich ehrlich zeige, dass wir eben nicht immer ALLES schaffen können. Das nicht jedes Ziel unser Eigenes sein kann und das wir trotz des nicht erreichen dennoch gute Mütter, Frauen, Angestellte, Unternehmerinnen usw. sind.

Er soll uns den Druck nehmen uns selbst immer weiter zu optimieren. Soll ein wenig die Rastlosigkeit nehmen und dem Orkan im Kopf gegensteutern. Der „did not do Donnerstag“ soll meine eigene kleine Ruheinsel werden, zu der sich jeder und jede gerne anschließen kann.

Wie ihr mitmachen könnt:

Einfach am letzten Donnerstag im Monat auf eurem Blog, oder den Sozialen Medien schreiben, was ihr diesen Montag alles nicht geschafft habt und damit selbstbewusst zeigen, dass eben nicht immer alles gleichzeitig geht und wir alle unsere Grenzen haben. Dazu den Hashtag #didnotdoListe verwenden – denn so können wir uns alle gegenseitig bestätigen, dass wir eben nicht alles machen, jedes Ideal erfüllen und jedem Ziel hinterherlaufen müssen.

Wir sind ok so wie wir sind – auch wenn wir eben manche Dinge – aus welchen Gründen auch immer – nicht machen…….