Im Zuge der Aktion #CoronaElternrechnenab, die von Rona und Sonja zusammen mit EditionF ins Leben gerufen wurde, habe ich eben mal zusammengerechnet: Seit mehr als 6 Wochen Unterrichte ich – wenn man das so nennen kann – meine Kinder zu Hause. Das sind 240 Stunden, die ich bereits für das sogenannte Homeschooling meiner Kinder investiert habe. Bei dieser Zahl ist mir erstmal die Kinnlade runter geklappt.

Corona Eltern rechnen ab – der offene Brief an unsere Regierung

Mein Leben war vor Corona schon anspruchsvoll. 3 schulpflichtige Kinder, eine eigene Firma mit zwei Mitarbeitenden und kein Kind, dass in eine nachschulische Betreuung geht. Denn für meinen Großen Sohn wird dies in seiner Altersstufe nicht mehr angeboten und mein mittlerer Sohn kommt aufgrund seiner Hochsensibilität mit einer zu langen Betreuung weg von zu Hause nicht zu recht.
Und so habe ich das große Glück – ganz besonders jetzt, in Zeiten von Corona – das ein Au Pair bei uns lebt und uns bei der Betreuung meiner Kinder unterstützt. Denn eines war schon vor Corona klar. Arbeit und Kinder lassen sich ohne Unterstützung nicht vereinbaren!

Und da ist noch meine Firma. Löhne zu zahlen und Miete und weitere Verbindlichkeiten die beglichen werden müssen. D.h. ich hatte schon einen sehr anspruchsvollen Beruf – und seit dem 16. März habe ich noch einen Weiteren – als Aushilfslehrkraft.
Das Problem dieses neuen, mir ungefragt übermittelten Zusatzjobs – er vermindert die Zeit, die ich für die Arbeit für meine Firma und meine Mitarbeiterinnen zur Verfügung habe und sorgt so für erhebliche, finanzielle Ausfälle.

Ich bin eine Mutter – und ich bin eine wirtschaftliche Kraft in diesem Land und will gesehen werden

Ich habe großes Verständnis für die Öffnung der Gastronomie, von Fitness-Studios, Bekleidungsgeschäften und ja, auch für die Wiederaufnahme von Bundesligaspielen. Denn dies alles sind wichtige Wirtschaftsfaktoren und mit der Wiederaufnahme werden Arbeitsplätze gesichert und auch Steuereinnahmen, die unser Staat heute mehr denn je braucht.

Was mich bei all der Wiederaufnahme aber irritiert: In Unternehmen im ganzen Land arbeiten Mütter und Väter. Genau diese Mütter und Väter haben aber gar nicht ausreichend Zeit die erforderliche Wirtschaftsleistung zu erbringen, denn sie sind mit der Betreuung ihrer Kinder beschäftigt.

Warum sind die Politiker dieses Landes bereit auf diese Wirtschaftskraft zu verzichten? Warum wird nicht ausreichend nach Lösungen gesucht, auch uns Eltern wieder die Möglichkeit zu geben unserer Erwerbsarbeit nachzugehen?

Ich stelle meine Wirtschaftskraft nicht kostenfrei zur Verfügung

Da ich auf diese Frage bis heute keine Antwort bekommen habe. Da wir Eltern weiterhin mit unseren Sorgen, unseren Belastungsgrenzen alleine gelassen werden, drehen wir Eltern nun eben den Spieß um.
Wir stellen unsere Wirtschaftskraft – die ohne Rückfragen, ohne Hilfestellungen und ohne jegliche Kommunikation eingefordert wird – unserer Regierung in Rechnung.

Im Detail sieht dies so aus:

Offener Brief von Corona Eltern - Rechnung für geleistete Stunden

Ich stelle meine Arbeitszeit – die ich aktuell in die Betreuung und Beschulung meiner Kinder investiere – anstatt in meine Firma, meine Kunden und meiner Mitarbeitenden in Rechnung.
Eigentlich müsste ich ja noch den wirtschaftlichen Schaden, der mir und meinen Mitarbeitenden durch diese hohe Anzahl an Minusstunden auf meiner Seite entsteht mit in die Rechnung mit aufnehmen! Und durch genau diesen Schaden auf meiner Seite nimmt mir der Staat auch die Möglichkeit Umsatz zu generieren, auf den wiederum ich Steuern zahlen würde – die dann dem Staat als Mehreinnahmen zur Verfügung stehen würden.

6 Wochen für 12.423,60 Euro – das ist ein echtes Schnäppchen für den Staat

Da ich schon vor der Corona-Krise recht wenig an öffentlicher Betreuungsunterstützung bezogen habe, ist dies zum Glück noch relativ wenig Extrazeit im Vergleich zu einer Familie, deren Kinder vorher bis 16 Uhr betreut wurden. Zudem fallen bei uns – nicht wie bei vielen anderen Familien – keine Extrakosten für Mittagessen und Co an, weil unsere Kinder sonst im Kita oder Hort zu Mittag gegessen haben. Denn auch hier haben wir uns bereits vor der Corona-Krise selbst geholfen und damit Kinder und Beruf vereinbart.

Und weil ich weiss, dass der Staat momentan bereits ziemlich knapp bei Kasse ist, stelle ich meine Erbrachte Leistung auch mit einem reduzierten Stundensatz zur Verfügung. Und nicht dem Stundensatz, für den ich sonst für meine Kunden arbeite. Das finde ich schon recht großzügig von mir.

Warum ich das tue? Weil ich müde bin das Familien nicht gesehen werden!

Wir Familien werden von der Politik nicht gesehen – wir werden übersehen. Wir müssen um Betreuungsplätze kämpfen und geben am Ende unsere Kinder in Einrichtungen mit schlechten Betreuungsquoten und schlecht bezahlten, überarbeiteten Erzieher/innen.
Unsere Kinder sind Teil eines Schulsystems, das veraltet, analog und vergessen ist. Mit dreckigen Schultoiletten, wenig Raum für Kinder mit erhöhtem Betreuungsaufwand und Lehrmethoden die nicht zur beruflichen Zukunft unserer Kinder passen.
Denn wir Familien werden übersehen. Weil wir nicht laut genug sind.
Weil wir auch vorher schon am Limit waren.

Mein Brief geht morgen in die Post. Ich bin nicht nur müde von der Dreifachbelastung. Ich bin auch müde vom „nicht gesehen werden“!

Mitmachen bei #CoronaElternrechnenab

Wenn auch du bei „Corona Eltern rechnen ab“ mitmachen willst, dann kannst Du hier die Rechnungsvorlage herunterladen und so auch eine Rechnung an deine Landesregierung schicken. Denn wir Eltern haben es endlich verdient gesehen zu werden!