Eigentlich wollte ich nicht mehr über Vereinbarkeit schreiben! Oder zumindest nicht mehr so oft. Ab September habe ich nur noch „Schulkinder“ und auch wenn es hin und wieder etwas ruckelt in unserem Vereinbarkeitskorsett, so habe ich doch das Gefühl, wir haben unseren Weg gefunden, mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf umzugehen. Doch in Diskussionen, wie der am vergangenen Sonntag bei der SZ Familie in München, zu der ich eingeladen war merke ich, wie dieses Thema immer noch tief in mir drinnen schwelt. Daher ist dies mal wieder ein sehr emotionaler Text über das Vereinbarkeitskarussell.

 

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Jungs kommt spielen
Ab auf´s Vereinbarkeitskarussell

 

Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ranken sich viele Mythen. Ist sie denn nun möglich? Und wenn nein, was ist der Grund dafür? Mangelnde Betreuungsplätze, fehlende Arbeitsplätze in Teilzeit oder flexible Arbeitszeitmodelle? Haben wir ein Gender Pay-Gap? Und wenn ja, welche Rolle spielt dies bei der Vereinbarkeit? Oder liegt es gar an den Frauen, die ja gar nicht arbeiten und Karriere machen wollen?

Fragen über Fragen und viele Antworten! Und genau da liegt das Problem!

Wo das Problem (in meinen Augen) begraben liegt zeigt eine Diskussion zu genau diesem Thema diese Woche auf Twitter.

 

 

Ja wer ist denn jetzt schuld an der Vereinbarkeitsmisere?

 

Aus einem Tweet, bei dem es eigentlich um einen Sorgerechtsstreit ging, entwickelte sich blitzschnell eine Diskussion über Vereinbarkeit und deren Gründe. „Die Besteuerung ist schuld“ meinte die Eine. „Familienarbeit müsste anerkannt werden“ meinte die Andere. „Den meisten Frauen ist Geldverdienen einfach nicht wichtig“ war das nächste Argument. Und so wurde diskutiert, mit dem Finger auf das andere Vereinbarkeitsmodell gezeigt – ohne jeglichen gemeinsamen Konsens. Wer nun hoffte Männer in dieser Diskussion zu finden, den muss ich leider enttäuschen. Der einzige Mann, der sich zu Beginn eingebracht hatte unterließ dies recht schnell und zog sich aus dieser Diskussion zurück.

Diese Diskussion – in der es in meinen Augen kein Richtig und kein Falsch gab. Keine Verliererin oder Gewinnerin – ist für mich dennoch recht symptomatisch für das wirklich vorherrschende Problem in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf und dessen Lösung.

 

Holt die Männer mit an Bord!

 

Während wir Frauen ob auf Twitter oder anderswo darüber diskutieren, was das größte Problem der Vereinbarkeit ist, schauen die Männer uns von außen zu.
Sie sehen zu, sie staunen und sie freuen sich, dass wir so trefflich diskutieren  – denn so bleibt uns kaum noch Zeit auch mit ihnen zu diskutieren. Sie in die Pflicht zu nehmen und sie aus dieser auch nicht mehr zu entlassen.

 

Achtung – steile These…

Dabei bin ich mir sicher – wenn Männer wirklich neben uns auf dem Vereinbarkeitskarussell sitzen würden, wenn sie wirklich die gleichen Hürden wie wir Frauen meistern müssten – und wenn wir Frauen sie aus dieser Pflicht auch auf keinem Fall entlassen würden – dann würden sie auf einmal merken wie Scheiße, schnell und anstrengend das alles ist!
Als ich zur Recherche zu diesem Blogbeitrag im Netz suchte, fand ich einen Artikel der Zeit mit dem Titel „Das Gefasel vom neuen Mann„.

Abschnitte wie dieser hier:
„Die knappe Zeit zwingt zu mehr Effizienz im Beruf. Karrierefördernde Kaffeetreffs oder lockere Bierrunden nach der Arbeit passen nicht mehr in den Tagesablauf. Während sich andere für höhere Aufgaben ins Gespräch bringen, sitzt der engagierte Vater an der Bettkante und denkt sich neue Strophen für „Lalelu“ aus.“
ließen mich nur schmunzeln! Wirklich? Vereinbarkeit ist anstrengend?

 

Welcome to our world boys!

Ich glaube genau da liegt der Erfolg bei der Vereinbarkeit! Während wir im Sandkasten der Vereinbarkeit sitzen und uns gegenseitig mit Förmchen beschmeissen und darüber streiten, welches denn nun das viel wichtigere Thema in Sachen Vereinbarkeit ist, sitzen die Männer daneben und prosten uns von der Karriereleiter zu. Gehen morgens entspannt ins Büro und machen abends das Projekt erst noch fertig, bevor sie nach Hause kommen, während wir um 15.00 Uhr gestresst aus dem Sandkasten springen um die Kids von der Kita abzuholen!

Ich bin der festen Überzeugung:

Solange die Männer nicht spüren, welche Fallstricke und Herausforderungen echte Vereinbarkeit bedeutet, so lange wird sich auch nichts gravierend und schnell ändern. Denn nur für uns Frauen – werden sie nichts ändern, von dem sie nicht selbst profitieren! Sind sie aber selbst betroffen – werden sie auf einmal sofort aktiv!

 

 

Photo by Carlos Pernalete Tua from Pexels

 

 

Warum ich das glaube belegt ein Beispiel, das ich so selbst mit meinem Göttergatten erlebt habe und das Problem gut beschreibt:

Unser Erstgeborener war ca. 2 Jahre alt und ging in eine Kinderkrippe ca. 4 Kilometer von unserem Wohnhaus entfernt. Morgens brachte mein Mann den Sohn meist in die Kita und fuhr dann ins Büro. Dort stand der schicke, neue Familien-Van dann bis ca. 19.00 Uhr in der Firmen-Tiefgarage, bis er aus dem Büro nach Hause fuhr.

Ich hingegen fuhr einen alten 1er Golf (ein Erbstück einer Großtante), der weder eine Servolenkung noch Airbags hatte. Mit diesem fuhr ich morgens zur Arbeit, Nachmittags zur Kita, dann zu Spielfreunden, dem Einkaufen und Co.

Mein Mann war der Meinung das sei doch alles super so und der Golf ein tolles Auto. Ich hingegen fluchte, wenn er im Winter mal wieder wegen schwacher Batterie stehen blieb – rief dann den Pannendienst während das Kind quengelte. Irgendwann kam dann der Tag, an dem ich genug von alle dem hatte! Warum musste ich immer das Nachsehen haben, obwohl ich viel mehr Auto fuhr als mein Mann? Warum war ich immer die Verständnisvolle und wo war das Verständnis für mich? Und warum nahm eigentlich immer ich Rücksicht?

So kam der Tag, an dem ich meinen Mann zwang mit dem alten Golf ins Büro zu fahren. Nur zwei Wochen, so der Deal! Der Chef bemängelte bereits nach zwei Tagen, wem die „alte Karre“ da auf den Management-Parkplätzen gehörte. Und auch mein Mann fluchte recht schnell wegen des fehlenden Luxus wie einer Klimaanlage oder der Servolenkung. Und so dauerte es keinen Monat und wir verkauften den alten Golf und kauften uns einen neueren und sichereren Kleinwagen!

 

Was soll uns dieses Beispiel sagen?

Ich finde dieses Auto-Beispiel zeigt sehr gut, wie schnell Männer bereit sind etwas zu ändern und sich zu bewegen, wenn sie selbst und direkt betroffen sind. Denn auf einmal hören sie von dem Vereinbarkeitsschmerz nicht nur von ihrer Ehefrau und Partnerin, sondern erleben ihn am eigenen Leib.

Und dabei meine ich nicht die zwei Monate Elternzeit, die sie nehmen können (was aktuell ohnehin nur 30% der Männer tun). Ich meine echte Schmerzen – so dass die Personalabteilung genauso mit den Zähnen knirscht wie bei uns Frauen. 6 Monate Elternzeit. 15 Krankentage im Jahr wegen der Kinder. Reduzierung auf 80% der Arbeitszeit. Ein Homeoffice-Tag, damit man die Kinder nachmittags aus der Kita abholen kann. Usw.

 

Vereinbarkeitskarussell

Mit Claire und Aileen bei der SZ. Zwei tolle Frauen mit ganz unterschiedlichen Vereinbarkeitsgeschichten. Dennoch begegnen wir uns immer mit Respekt, Verständnis und hören einander zu! Das macht es so wertvoll <3

Die Männer müssen JETZT mit auf das Vereinbarkeitskarussell!

Damit das passiert sollten wir Frauen uns von den Diskussionen mit unseren Geschlechtergenossinen lösen und unsere Energie darauf verwenden, die Vereinbarkeit zu Hause auf 4 Schultern zu verteilen! Wenn wir Frauen Homeoffice im Unternehmen erbitten können – können das die Männer genauso. Wenn Männer Führungspositionen in Unternehmen innehalten können, dann können sie genauso Windeln wechseln und nachts aufstehen, wenn das Kind weint. Wenn sie mit ihren Jungs übers Wochenende alleine wegfahren können, können sie am Wochenende auch alleine auf die Kinder aufpassen. Ausreden zählen hier nicht! Denn wir Frauen haben auch keine Möglichkeit zur Ausrede! WIR MÜSSEN IMMER!

Wir haben aktuell oft nicht die Wahl – dabei sollte uns diese genauso zustehen wie Männern!

 

Ich fange bei mir selbst an!

 

Ich gebe zu – auch bei uns zu Hause ist die Vereinbarkeit noch nicht voll eingezogen. Auch bei uns zu Hause sage ich noch zu schnell „Ich mach das schon“, wenn es um Kinderthemen geht! Auch bei uns ist der Vereinbarkeitsschmerz noch zu oft auf meinen Schultern! Doch mein Mann und ich reden darüber! Diskutieren. Verhandeln. Das ist nicht immer angenehm. Weder für mich – noch für ihn! Doch einen anderen Weg als diesen gibt es denke ich nicht!

 

Was meint Ihr?

 

Ich danke dem Team der SZ-Familie für diesen tollen Sonntag Vormittag und die wertvolle und ehrliche Diskussion und den Blick hinter die Kulissen des Magazins! Denn hinter diesem Magazin stehen Frauen und Mütter wie ich und Du, die jeden Tag mit den gleichen Themen rund um Familie und Co. zu kämpfen haben und den Vereinbarkeitswahnsinn leben! Das merkt man beim Lesen des Magazins – und das macht es besonders!

 

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