Im Netz habe ich Günes Seyfarth bereits vor vielen Jahren als Kopf der Second-Hand-Plattform Mamikreisel kennengelernt und war sehr schnell von ihren Macherqualitäten begeistert. Also ich ihr Interview auf der 48forward sah wurde dieser Eindruck noch mals unterstrichen.

Im Oktober 2016 lernte ich Günes beim herCarrer Dinner persönlich kennen und erlebte eine so kluge und engagierte Frau, dich mich nachhaltig beeindruckte. Ihre Begeisterung für das Thema Foodsharing war „schuld daran“, dass auch ich mich mit diesem Thema auseinandersetzte und in den Wochen und Monaten danach noch genauer hinsah beim Einkaufen.

Auch der Start von 247runway beobachtete ich Neugierig und mochte Ihre Art wie sie versuchte das Eigenbild von uns Frauen zu verändern.

Daher freue ich mich besonders, dass Günes mir im Rahmen meiner Serie „Frauen im Job“ Frage und Antwort steht:

Günes Seyfarth

Günes Seyfarth – Gründerin, Unternehmerin, Macherin

 

Seit einiger Zeit bist Du nicht mehr bei Mamikreisel – was machst Du denn jetzt?

 

Mamikreisel war eine sehr intensive Zeit. Deswegen hab ich mir eine Auszeit genommen, um mich neu zu sortieren und in mich reinzuhorchen, wohin es mich zieht. Ich bin noch nicht am Ende dieser Reise angekommen, doch ich merke sehr, dass ich wieder meinen Beitrag für die Gesellschaft leisten will. Eines meiner Projekte ist die eigene Schule „Green Think Tank“ www.greenthinktank.de

 

Wie kam es zu der Idee?

Ich engagiere mich bereits seit mehreren Jahren im Verein Eine Schule für Alle e.V. www.eine-schule.de. Wir wollen das bayerische Schulsystem verändern hin zu Gemeinschaftsschulen in Bayern. Zumindest der Möglichkeit, dass es sie gibt.  Wir leisten auch Aufklärungsarbeit und sprechen mit Eltern und Lehrern z.B. über die Sinnhaftigkeit von Noten.

Beim Thema Gemeinschaftsschulen spalten sich die Gemüter. Ich, die eine Krippe, Kindergarten und Hort (Karl & Liesl e.V.) ins Leben gerufen hat, erzähl dann immer: Bei Krippen- und Kindergartenkinder sagt keiner: Das ist ein Kind, das wir danach Müllmann, das andere hingegen wird Professor. Doch mit 8 Jahren sprechen alle nur noch über den Übertritt. Kinder wissen, dass bereits, dass sie ein Label bekommen – wenn sie Glück haben, das der Erfolgreichen, Anerkannten. Die Eltern wollen auch hier das Beste für ihr Kind. Sie tun dann viel bis alles dafür, dass das eigene Kind aufs Gymnasium kommt. Denn dann kann es am Ende der Schullaufbahn aus allen Möglichkeiten auswählen. Du merkst, ich könnte hier noch Bände sprechen.

Ich verlinke hier einfach ein Filme zum Thema Schule, die ich in diesem Zuge sehr spannend finde:

ALPHABET – Der Film

37 Grad – das Jahr der Entscheidung

ZDF Dokumentation: Stressfaktor Schule

 

Die Beschäftigung mit den Schulthemen  und der Dialog mit vielen Pädagogen, Experten, Eltern und Schüler hat mich angeregt.

Da Politik nicht kurzfristig Systeme ändert, will ich ein Vorbild schaffen, bei dem ich zeigen will, dass es auch anders funktioniert.

Dazu inspiriert hat mich das Buch von Richard David Precht „Anna, die Schule und der liebe Gott“. Die Frage: Wie würde eine heute gegründete Schule aussehen, wenn es keine gäbe, hat mich angeregt, das Schulsystem neu zu denken. Keine Pflaster denken, sondern mutig sein, sie neu zu denken. Vor Allem die Vorbereitung auf zukünftige Herausforderungen und nicht auf vergangene Problemstellungen ist für mich wichtig. Gepaart mit dem Fokus Nachhaltigkeit und u.a. Digitalisierung – zwei Themen, die mir am Herzen liegen.

 

Du bist auf so vielen Ebenen aktiv. Was treibt dich an, was ist deine persönliche Motivation?

Ich mag es etwas zu Schaffen. Gerne neu gedacht, nicht kopiert. Das treibt mich an, immer besser zu werden, mich in neue mir nch fremde Themenfelder einzuarbeiten. Zusätzlich mag ich es mit Menschen zusammenzuarbeiten. Es ist spannend, andere Sichtweisen und Meinungen zu verstehen. Es hinterfragt, was man selbst glaubt und festigt zugleich, wenn man nach dem Zweifeln doch wieder zu dem findet, was einem richtig erschien. Für mich ist die Welt nicht schwarz-weiß, sie ist bunt. In vielen schillernden Farben. Das macht es aufregend. Dieses Gefühl des Abenteuers treibt mich an.

 

 

Du bist auch in Sachen Foodsharing sehr aktiv. Wie kam es dazu? Welchen Einfluss hat es auf deine Kinder im Umgang mit Lebensmitteln.

 

Eine Freundin erzählte mir von dieser Idee, dass Lebensmittel vor dem Wegschmeißen gerettet werden. Meine Neugier war geweckt. Ich meldete mich bei Foodsharing an und seitdem hole ich mehrmals die Woche Lebensmittel ab.

Obwohl ich das nun seit knapp 3 Jahren mache, bin ich immer wieder erstaunt, wieviel pro Tag und pro Supermarkt weggeschmissen wird. Es ist regelmäßig zwischen 300 und 800 Euro Warenwert – pro Tag. Man merkt wie absurd unser System ist. Unabhängig von Saison und Regionalität sind alle möglichen Lebensmittel zu jeder Uhrzeit verfügbar.

Weil mir das Thema wichtig ist, hab ich den Verein Foodsharing München mit angrenzenden Kreisen e.V. mitgegründet. Ich hoffe, dass wir über die Vereinstätigkeit eine Revolution im Konsumverhalten vieler Menschen auslösen können.

Für meine Kinder ist es spannend und lehrreich zugleich. Sie lernen viel Obst und Gemüse kennen und fragen immer wieder, warum wir soviele Lebenmittel haben. Und mittlerweile heißt es nicht mehr einkaufen, sondern „Mama geht Lebensmittel retten. “

 

Günes in 10 Jahren – wo siehst Du Dich da? Machst Du überhaupt so lange Pläne oder lässt Du Dich eher treiben?

Ich bin ein Trüffelschwein. Ich gehe immer meiner Nase nach. Mir ist nicht wichtig, was ich mache, sondern mit wem und wofür. Was ich tue muss für mich Sinn machen und Sinn geben. Ich will mit meiner Kraft die Gesellschaft, in der wir leben, mitgestalten. Deshalb kann ich gar nicht sagen wo ich in 10 Jahren sein werde, sondern wo ich sein will.Ich will gesund mit meiner Familie und lieben Menschen in Frieden leben. Außerdem bin ich gespannt, wie meine 3 Kids in 10 Jahren sind. Und ich will Sinnhaftes tun. Wofür das in 10 Jahren sein wird – da lass ich mich überraschen.

Wenn Du deinem jüngeren Ich einen beruflichen Rat geben könntest, was wäre dieser?

Hab keine Zweifel, sondern fange mit etwas an. Wenn man vielseitig interessiert ist, dann kann das dazu führen, dass man an seinen Ideen zweifelt – weil es so viele sind, die man gut findet. Um sie zu priorisieren, demontiert man einige dann unbewußt.

Ich würde meinem jüngeren Ich den Rat geben, nicht zuviel zu zweifeln, sondern mit einer Sache, für die man sich zu dem Zeitpunkt am meisten interessiert, anzufangen. Einfach machen!

 

Günes Seyfarth aktuelles Projekt 247runway findet ihr im Apple und Anduid Shop. Runterladen lohnt sich…

247runway app

 

Vielen Dank liebe Günes für das offene Interview mit Dir.

 

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