Solidarität. Ein Aufruf. Und ein Rant.

Dies ist ein Gastbeitrag von @Mittsommar

Kommunale Kitas werden bestreikt und alles regt sich auf.

Solidarität finden viele offenbar nur dann gut, wenn sie gerade selbst drauf angewiesen sind. Die Menschen von heute sind zu bequem, für ihre Rechte einzustehen. Da wird lieber gejammert, aber bitte nur vom Sofa aus. Nun auch noch andere in ihrem Kampf für ihre Rechte zu unterstützen, ist da wohl völlig undenkbar.

Die Eltern kriegen ihre Kinder nicht betreut und schimpfen jetzt auf die Erzieher.  Aber sie denken zu kurz, denn das ist die falsche Adresse. Vertragspartner ist die Kita bzw die Stadt, Gemeinde, Kommune. Wenn man jemandem auf’s Dach steigen sollte, dann bitte denen. Die sollen eine Erzieherin mal halb so gut bezahlen wie einen ungelernten Bandarbeiter bei VW. Offenbar hat glänzendes Metall eine höhere Priorität.

Alle reden von Qualität, jeder möchte sein Kind optimal untergebracht wissen, aber kosten darf es auch den Steuerzahler nichts und streikbedingte Ausfälle darf es auch nicht geben.
Es ist genau wie in der Pflege, in der ich arbeite: als Lohn soll wohl ein Blick in glänzende Kinderaugen genügen.

Und die Eltern jammern herum, weil sie sich jetzt etwas anderes überlegen müssen, wenn der Arbeitgeber, dem Menschlichkeit natürlich äußerst wichtig ist, sie nicht unter Druck setzen soll. So viele intelligente, gut ausgebildete Supereltern, die immer alles richtig machen, laufen hier rum und die kriegen es nicht gebacken, sich gemeinsam so zu organisieren, dass sie für ein paar Tage die Kinder betreut kriegen?
Man könnte sich ja zum Beispiel abwechselnd kümmern, dann fiele jeder Arbeitnehmer nur beispielsweise zwei Tage aus.
Klar ist das keine optimale Lösung, aber dies ist auch kein normaler Zustand.
Da kämpfen Menschen dafür, für ihre unbestritten wichtige Arbeit so entlohnt zu werden, dass sie einigermaßen zurechtkommen und um im Alter nicht in staatlich subventionierter Armut leben zu müssen. Und wir alle wollen für uns selbst das gleiche. Wir sollten sie also unterstützen, anstatt zusätzlichen Druck auf das schwächste Glied der Kette auszuüben.

Nennt sich „Solidarität“. Das ist etwas, von dem viele Eltern behaupten, dass ihre Kinder das mal lernen sollen.

Das bekommt man übrigens nicht im Spielzeugladen.

Ich bin gespannt wie ihr das seht!

 

 

 

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4 Kommentare

  1. Hallo, ich sehe das genau wie Du. Wir hatten uns auch schon darauf eingestellt, dass unsere Kita streikt und das zurecht. Macht sie jetzt gar nicht, aber wir hatten einen Plan B, weil ich das gerne unterstützt hätte. Letztlich auch zum Wohle unserer Kinder. LG Martamam

    Antworten
  2. Hallo Martamam,

    Danke für Deinen Kommentar.

    Ich denke, dass es nicht in unserem Sinn sein kann, gegen die Erzieher zu arbeiten, zu argumentieren etc.
    Es finden sich schon heute zu wenige, die bereit sind, diese Arbeit zu tun.
    Es wird in der Zukunft sicher nicht einfacher, zumindest, wenn sich nichts an den Arbeitsbedingungen und der Bezahlung ändert.

    Grüße!
    Mittsommar

    Antworten
  3. Klasse Beitrag. Das Fazit sagt eigentlich alles: „Nennt sich „Solidarität”. Das ist etwas, von dem viele Eltern behaupten, dass ihre Kinder das mal lernen sollen.
    Das bekommt man übrigens nicht im Spielzeugladen.“
    Aber leider denkt man hierzulande viel zu häufig zu kurz …

    Antworten
  4. Liebe @Mittsommar,
    sicher ist hier Solidarität mit den streikenden ErzieherInnen angebracht, da stimme ich ja vollkommen zu.

    Allerdings glaube ich nicht, dass es diesem Streik insgesamt an Solidarität mangelt. Ich habe mal den Kita-Streik mit dem Bahnstreik verglichen. Ich denke, da wird einem einiges klar. Ich will das hier nicht vertiefen: nachzulesen ist es hier:

    https://www.fischundfleisch.com/blogs/wirtschaft/auch-beim-streiken-wenn-zwei-das-gleiche-tun.html

    Solidarität lässt sich ,wie gesagt, für den Kita-Streik durchaus einfordern.
    Jedoch sollte man es sich möglicherweise nicht so einfach machen.
    Man sollte sich trotzdem darüber im klaren sein, dass das eine Menge verlangt ist. Solidarität mit dem Streik bedeutet ja vielerlei. Zu einem klaglos eine alternative Betreuung für die Kinder mal eben so zu organisieren. Nicht jeder hat Oma und Opa oder sonstige Verwandte verfügbar. Das ist aber noch nicht alles. Die Streikfolgen wird man auch zu tragen haben und aus Solidarität muss man die dann ja auch bewusst akzeptieren. Ich spreche von unweigerlich höheren Kita-Gebühren und Steuern, denn das werden die Folgen sein, machen wir uns nichts vor. Die Kosten für höher ErzieherInnen-Gehälter werden auf die Eltern abgewälzt werden.

    Ich kann verstehen, dass es Eltern gibt, die diese zusätzlichen Belastungen nicht widerspruchslos hinnehmen möchten. Ich möchte darum bitten, solche Eltern nicht sofort zu verteufeln. Z.B .frage ich mal, ob man von der schlecht verdienenden Alleinerziehenden, der niemand hilft, wirklich viel Solidarität für die Situation verlangen kann.

    Wieviel Solidarität der Einzelne / die Einzelne zu leisten im Stande ist, ist eben auch in entscheidendem Maße eine Frage der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse.

    Viele Grüße
    Dirk

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