Es gibt Texte, die schwelen sehr lange in einem. Die Worte formen sich in deinem Kopf. Immer und immer wieder. Und am Ende fließen sie nur so aus deinen Fingern. Genau so ist es mit diesem Text! Denn heute möchte ich Euch sagen, warum ich Feministin bin! Aus voller Überzeugung!

 

Wie die Mutterschaft mich verändert hat

 

Als ich Mitte 20 war dachte ich, es gibt für mich keine Grenzen. Ich war flexibel, frei und ungebunden und habe mich beruflich so entwickeln können, wie ich es wollte. Mit 26 Jahren hatte ich mich das erste Mal erfolgreich selbstständig gemacht und arbeitete viel und gerne. Mein zukünftiger Mann und ich waren gerade zusammengezogen und führten eine emanzipierte Beziehung.

Also ich mit 27 das erste Mal schwanger wurde – und ich war damals mit viel Abstand die einzige Frau in meinem Freundeskreis die so „jung“ schwanger wurde, ging ich recht naiv mit dem Thema Mutterschaft um. Der Gedanke, dass das Gebären eines Kindes den Blick von außen auf mich verändern würde, war für mich völlig abwegig.

Heute 12 Jahre später weiss ich: Es gibt nichts anderes in meinem Leben, was die externen Erwartungen an mich als Person so verändert hat wie meine Mutterschaft.

 

Gebären als Qualitätsfaktor – oder eben nicht

 

Du hast doch eine tolle Figur, obwohl du drei Kinder hast! Dass du noch arbeitest, obwohl du drei Kinder hast! Du fährst alleine in den Urlaub, obwohl du drei Kinder hast? Du läufst noch Halbmarathon – aber du hast doch Kinder? Du willst Karriere machen – als Mutter von drei Kindern?

Seit ich Mutter bin wird mein ganzes Tun und Handeln – und dabei spreche ich nicht über mein aktives Handeln in meiner Rolle als Mutter, denn das ist noch mal ein ganz anderes Thema – an dem Fakt gemessen, dass ich Kinder ausgetragen habe. Als ob sich meine Intelligenz, meine sportlichen Fähigkeiten oder meine persönlichen Wünsche nur und ausschließlich an meiner Mutterschaft festmachen lassen.

Ich gestehe – ich habe dieses Stigma nie so ganz verstanden – und tue es bis heute nicht!

Parallel dazu war und bin ich erschrocken, wie wenig mein Mann an dem Fakt seiner Vaterschaft gemessen wird. Und selbst wenn seine Vaterschaft als relevantes Äquivalent herangezogen wird, dann meist eher zu seinem Vor- als Nachteil.

 

 

 

Wo ist der Unterschied zwischen einer Mutter und einem Vater?

 

Ganz rational gesehen – und ich liebe es die Dinge rational zu sehen – liegt der einzige Unterschied zwischen Müttern und Väter im Bezug auf die Elternschaft  lediglich im Austragen, Gebären und Stillen. Alle anderen Aufgaben, Pflichten und auch Emotionalitäten sind beidseitig vorhanden. (Oder sollten es zumindest sein). Warum also hat die Gesellschaft eine so andere Sicht auf mich als Frau?

In den letzten 12 Jahren hat dieser „andere Blick“ dazu geführt, dass ich weniger befördert wurde als meine anderen, kinderlosen Kollegen und Kolleginnen. Dieser andere Blick auf mich als Mensch hat dazu geführt, dass mir weniger zugetraut wurde. Sportlich, beruflich und gesellschaftlich.

Ich war dabei, als Männer abfällig über Frauen redeten, um die Leistung der Frau klein und ihre eigene groß zu reden. Ich habe erlebt, wie Männer sexistische Kommentare machten, um Frauen in Bedrängnis zu bringen. Ich habe selbst erlebt, was es beutet eine Frau in einer männderdominierten Branche wie der des Sportmanagements zu sein.

All diese Erlebnisse haben dazu geführt, dass ich immer unzufriedener wurde. Und wütend. Und laut! Dabei habe ich mich aber nie als Feministin gesehen, sondern vielmehr als Frau, die ihre Meinung sagt. Die dagegen hält, wenn Männer versuchen Frauen klein zu reden. Die ihre Stimme erhebt, wenn sie Ungerechtigkeit gegenüber Frauen wahrnimmt.

 

Warum ich mich heute als Feministin bezeichne

 

Ausschlaggebend für mich, mich klar und laut zum Feminismus zu bekennen, war allerdings folgendes Erlebnis:

Zusammen mit einem Geschäftspartner bereitete ich telefonisch ein Meeting mit einem Kunden vor. Ich fragte den Kunden – wer an unserem Meeting teilnehmen wird und er benannte nur männliche Kollegen. Da ich mit dem Kunden ein sehr lockeres Verhältnis besaß, meinte ich darauf hin, dass ich mir für das nächste Meeting mehr Diversität wünschen würde. Kurz nachdem ich dies ausgesprochen hatte, entschuldigte sich mein Geschäftspartner bei ihm und meinte: „Tut mir leid – Andrea ist Feministin.“

Ich war in der Situation so perplex über diese Aussage, dass ich gar nicht wusste, was ich sagen sollte. Lediglich ein kurzes „Und das ist gut so“ konnte ich mir nicht verkneifen.

Für mich war dieses Ereignis so einschneidend, dass mir klar wurde, wie wichtig es ist, offen und eindeutig zum Feminismus zu stehen! Denn solange nur einige wenige von uns sich zum Feminismus bekennen, solange ist es für die Männerwelt einfach, diese Haltung gegen uns zu verwenden.

 

Ich bin eine Feministin

 

 

Der Feminismus – die goldene Rüstung des (wirklich) modernen Mannes

 

Und während ich dies hier aufschreibe frage ich mich gleichzeitig, warum immer noch so wenige Männer sich als Feminist bezeichnen? Sich für echte Gleichberechtigung einsetzen.

Denn das Grundanliegen aller feministischen Strömungen sind die Selbstbestimmung, Freiheit und Gleichheit für alle Menschen, die im öffentlichen wie auch im persönlichen Leben verwirklicht werden soll. Ihre Vielfalt bietet Ansätze und Potentiale für die Gestaltung des gegenwärtigen tiefgreifenden sozialen Wandel. (Quelle: hier)

Es erschließt sich mir nicht, wie Männer nicht für Selbstbestimmung, Freiheit und Gleichheit eintreten können. Wie sie aus Angst vor dem Verlust der eigenen Privilegien nicht Vielfalt und Gleichheit fördern und fordern.
Dass im beruflichen Kontext gesehen – diverse Teams erfolgreicher sind – darüber habe ich schon vor mehr als drei Jahren geschrieben.

Auf der anderen Hand sehe ich Männer wie Robert Franken, die mit dem klaren Bekenntnis zum Feminismus sogar Geld verdienen. Denn Gleichberechtigung ist gerade in Zeiten des „Fachkräftemangels“ mehr als nur relevant für viele Unternehmen.

Daher wäre es für die Männer so einfach, sich diese goldene Rüstung umzuwerfen – klar zum Feminismus zu stehen, damit ihre Mütter, Frauen und Töchter zu fördern und zu stärken, so wie sie es meist bereits unaufgefordert über Jahre getan haben und weiterhin werden.
Ich bin mir sicher, sie würden ebenso dafür gefeiert werden, wie ich es bei Robert Franken erlebt habe. Und das ist überhaupt nicht abwertend gemeint! Ganz im Gegenteil.
Und am Ende ist Feminismus einfach auch gesellschaftlicher Zusammenhalt über alle gegebenen Grenzen hinweg. Und dieser ist in der heutigen Zeit in meinen Augen noch wichtiger, als bisher.

Daher:

Ich bin Andrea – und ich bin überzeugte Feministin!

Und ihr?