Ich bin meine härteste Richterin. Meine größte Kritikerin. Meine höchste Messlatte! Das war schon immer so. Ob ich etwas gut oder schlecht finde, ist primär an meine eigene Wahrnehmung gekoppelt. Eigentlich eine gute Sache, da meine eigene Wertschätzung mir gegenüber nicht von der Meinung Anderer abhängig ist. Wenn der eigene Anspruch allerdings oft unerreichbar hoch ist, ist das Ganze nicht wirklich zielführend. Das ist die Krux der eigenen Ansprüche

 

Ordnung im 5 Personen Haushalt
Die Krux der eigenen Ansprüche

 

Ich mag es, wenn es bei uns zu Hause ordentlich ist. Das war nicht immer so. Als Kind und Jugendliche maß ich der Ordnung keinen besonderen Stellenwert zu. Heute bedeutet Ordnung für mich Struktur und Sicherheit. Das Maß an Ordnung, das ich in der Lage bin zu halten, ist für mich ein Spiegel meiner inneren Verfassung. Je ordentlicher es ist, desto mehr habe ich mein gesamtes Leben im Griff.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass mich Unordnung aber auch sehr verunsichern kann. Denn habe ich den Haushalt mal nicht im Griff, dann weiss ich, dass es auch sonst nicht sonderlich geordnet in meinem Leben zugeht.

Das die Ordnung und ein Haushalt mit drei Kindern zwei nur schwer übereinanderzubringende Schablonen sind, brauche ich hierbei sicherlich nicht zu erwähnen. Auch wenn mir noch nie jemand gesagt hat: „Bei Euch könnte es ja auch etwas ordentlicher sein“  habe ich dennoch das Gefühl immer Ordnung halten zu müssen, um mit mir selbst zufrieden sein zu können.

Doch genau dieser Zwiespalt zwischen den eigenen Anforderungen und der gelebten Wirklichkeit ist es, was mich immer wieder zur Verzweiflung bringt. Verzweifelt an dem nicht Erreichen dieser Ansprüche. Zweifeln an den überzogenen Ansprüchen an mich selbst.

 

Sport, Wettkampf und mein Schweinehund
Die Krux der eigenen Ansprüche

 

Recht ähnlich verhält es sich mit mir und dem Sport. Mein Sport gibt mir Kraft und tut mir unglaublich gut. Er ist für mich mein Ausgleich, meine kleine Insel zum Mutter- und berufstätig sein.

Schon oft wurde ich gefragt, warum ich nicht einfach Laufen gehe ohne den ganzen „Wettkampfgedanken“ dabei?
Einfach um des Laufens willen.

Nun kenne ich mich selbst ja schon sehr lange und würde mich als reflektierten Menschen bezeichnen. Ich weiß, was meine Stärken und meine Schwächen sind. Auch wenn ich den Sport so unglaublich liebe und wertschätze – ein Meister im Schweinehund überwinden war ich noch nie!

So wurden mit den Jahren die Wettkämpfe von Halbmarathon bis Triathlon mein „Schweinehundbooster“. Mein Antrieb und meine Erfolgserlebnisse. Ich liebe diese Wettkämpfe und genieße sie sehr. Doch ist das der richtige Weg? Ist hinter diesem leidenschaftlichen Hobby durch diese selbstauferlegte Zielerreichung nicht ein Druck, dem ich mich eigentlich gar nicht aussetzen müsste? Diese Frage stelle ich mir immer wieder…

 

Berufliche Wünsche und Möglichkeiten
Die Krux der eigenen Ansprüche

 

Ähnlich verhält es sich mit meinen beruflichen Ambitionen. Noch nie hat mein Mann oder mein direktes Umfeld zu mir gesagt: „Ich finde du solltest arbeiten gehen! Ich finde Du musst mehr Karriere machen“ und dennoch stelle ich mir diese Frage immer wieder selbst! Mache ich genug aus meinem beruflichen Potential? Würde da nicht noch mehr gehen? Wie kann ich noch besser werden? Habe ich das Maximum gegeben?

Immer und immer wieder schwirren diese Fragen durch meinen Kopf. Immer wieder lassen diese Fragen mich zweifeln, ob da nicht noch mehr gehen würde. Ob ich mich nicht noch mehr reinhängen müsste? Ob das was ich tue ausreicht.

Worauf ich mit all diesen Ausführungen hinaus will?

 

Ich selbst bin meine größte Erwartungshaltung!

 

Ich bin es, die ihr eigenes Verhalten immer wieder hinterfragt und kritisch beäugt.
Wenn meine Mitmenschen zu mir sagen „Ich finde es toll wie du das machst“ ist dies noch lange keine Garantie, dass ich mit mir und dem Ergebnis zufrieden bin.
Auch wenn ich genau diese Tatsache doch recht treffend in diesem Blogartikel analysieren und benennen kann, fällt es mir in der Umsetzung meist unglaublich schwer, genügsam mit mir selbst zu sein.

Wo ich Verständnis für die Schwächen Anderer entwickle fällt es mir unglaublich schwer, meine eigenen Schwachstellen anzunehmen. Immer wieder drehe ich mich im Kreis zwischen der eigenen Leistungsfähigkeit, den äußeren Möglichkeiten und meiner Erwartung an mich selbst.

 

Ich sollte netter zu mir sein. Genügsamer und verständnisvoller.

 

Und während ich dies schreibe fällt mir auf, wie ich auch diesbezüglich eine Erwartungshaltung mir gegenüber entwickle und frage mich, ob es aus diesem Kreislauf überhaupt einen Weg hinaus gibt?

Oder ist der Weg hinaus aus diesem Kreislauf das Annehmen dieser Eigenschaft.
Frieden finden mit mir selbst – so wie ich bin. Mit allen Ecken und Kanten?

Aus vielen Gesprächen mit anderen Frauen, weiss ich, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht. Oftmals stehen wir Frauen uns selbst im Wege, da die Erwartungshaltung, die wir an uns selbst stellen viel zu hoch und oftmals unerreichbar ist.

Wir müssen lernen nachsichtiger mit uns zu sein. Niemand kann alles und alles gleichzeitig. Jeder hat seine Stärken und seine Schwächen. Auch wir Frauen und Mütter. „Du bist gut so wie Du bist“ – das versuchen wir unseren Kindern zu vermitteln.
Dabei vergessen wir oftmals, dies auch zu uns selbst zu sagen.

Vielleicht sollten wir genau heute damit anfangen? Uns vor den Spiegel stellen und laut und deutlich sagen:

Du bist gut so wie Du bist – mit allen Ecken und Kanten!

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