Gastbeitrag: Mein bisher nicht so erfolgreicher Vereinbarkeitsversuch

Auch wenn ich am liebsten darüber schreibe, dass das mit der Vereinbarkeit machbar ist, ist mir natürlich völlig klar, dass es beim Thema Arbeiten und Familie immer darum geht, dass die angestrebte Lösung für alle Beteiligten die Richtige ist. Denn am Endes des Tages ist das Wichtigste, dass man sich selbst und sein eigenes Glück und das als Familie im Auge und im Herzen behält.

Deswegen freue ich mich heute besonders über den Gastbeitrag von Claudia, die mir vor über einem Jahr ihre erste Email schrieb, weil sie mein Kuchenrezept nachgebacken hatte und mit der ich bis heute in Kontakt bin.

 

Vielen Dank liebe Andrea, dass ich bei Deiner Ferienaktion mitmachen darf – obwohl ich gar keinen Blog (mehr) habe. Aber dazu später mehr.

Ich habe lange darüber nachgedacht, worüber ich schreiben möchte, und habe mich dann für meine Vereinbarkeitsgeschichte entschieden. Oder besser gesagt der Versuch einer Vereinbarkeit.

Und die fing so an:

Im Januar 2014 zog ich mit einer Familie von München nach Berlin. Mit dabei mein Mann, durch dessen berufliche neu-Situation sich der Umzug ergab, und unseren drei Kindern, damals zwei, sechs und acht Jahre alt.

In der ersten Zeit hier war ich recht einsam, ich erlebte zwar viel, mir fehlten aber die Ansprechpersonen. So kam ich zum Blog schreiben, ich konnte meine Erlebnisse aufschreiben und hatte immer das Gefühl etwas mitzuteilen. Denn ich wusste, in der Welt da draußen lesen meine Freunde und vielleicht auch ein paar andere Menschen mit.

Der Alltag nahm in meinem Leben immer mehr zu, ich hatte bald auch einen Job gefunden, in dem ich aber leider sehr unglücklich war, die Zusammenarbeit mit dem Kollegen und mir klappte überhaupt nicht. Dazu war es einfach ein Programm fast rund um die Uhr. Bis über Mittag war ich in der Arbeit, in maximal eineinhalb Stunden organisierte ich das ganze Familienleben (Einkäufe, Anrufe, Termine ausmachen, ..), dann kamen die Kinder heim und ich begleitete sie zu diversen Hobbies und machte nebenbei noch Haushaltskram. Und abends dann Blog schreiben. Immer weniger. Denn ich hatte einfach keine Energie dazu. Und so sollte mein Blog ja nie sein, nie was erzwungenes.

Das nicht mehr schreiben wollen war vielleicht das Tüpfelchen auf dem i, aber für mich das Zeichen, dass ich nicht Job und Familie = Freizeit gleichzeitig schaffe. Beides zusammen krachte regelmäßig. Es baute sich über die Woche auf und in schlimmen Wochen, vor allem noch in meinem ersten Job, in dem ich so unglücklich war, bin ich donnerstags regelmäßig zusammengeklappt. Übers Wochenende hatte ich mich wieder aufgerafft und so die nächste Woche geschafft.

Gar nicht so einfach immer die Balance zwischen Job und Familie zu finden

Gar nicht so einfach immer die Balance zwischen Job und Familie zu finden

Jetzt fragt sich die Leserschaft sicherlich „aber was macht denn der Mann, der ist doch auch noch da?!“. Gute Frage. Unsere Startvoraussetzung hatte nicht so sehr die Vereinbarkeit als Hauptziel. Er war (und ist!) der klassische Hauptverdiener, ich hatte ab dem ersten Kind zeitmäßig geringere Jobs oder war besonders nach dem dritten Kind eine längere Zeit daheim, da die Münchner Kinderbetreuung nicht so umfangreich war. Deshalb habe ich mich um den ganzen Familien- und Haushaltskram gekümmert.

Tja, und dann habe ich nach dem Umzug mehr gearbeitet und mich aber weiter um alles gekümmert. Mit natürlich viel weniger Zeit. Ich wurde zum ultra Zeit Optimierer. Für nachts die Waschmaschine programmieren, damit sie morgens fertig ist, auf dem Heimweg einen genau gelegten nach-Hause-geh-Plan, um alle Erledigungen abzuhaken und ein Nachmittagsprogramm, was fast auf die Minute getaktet war. Und wenn die Woche zu voll war, habe ich mir am Wochenende morgens den Wecker gestellt, um alles liegen gebliebene der Woche zu schaffen.

Ach ja, der Mann, dazu wollte ich ja was schreiben, was tat der? Ehrlich gesagt anfangs nicht viel. Er übernahm morgens den Kindergartenbringdienst des Jüngsten, damit ich gegen 7:15 Uhr das Haus verlassen konnte. Dann war er den ganzen Tag bei der Arbeit und kam abends zum Vorlesen wieder. Oder später. Oder früher – und setzte sich an den gedeckten Abendbrottisch.

Ich sehe schon, die Online Welt da draußen schüttelt mit dem Kopf, die Emanzipation kreischt auf „wie kann man nur so leben!?“.

Man kann, aber durchaus nicht zufrieden und vor allem gleichberechtigt. Wir haben viel darüber geredet, gestritten und geplant. Und hier liegt der Knackpunkt, vieles an dieser ungleichen Verteilung liegt an mir. Ich konnte mich, obwohl am Ende der Kräfte, nicht mit der neuen Situation anfreunden, ich konnte nichts abgeben. Meine Pläne, Abläufe, Vorstellungen, so muss es sein.

Dieser Erkenntnisprozess dauerte seine Zeit und ich würde sagen, wir stecken immer noch mitten drin. Aber es gibt kleine Veränderungen und dadurch kleine Verbesserungen. Ich habe zum Beispiel an einem Samstag das Essens Thema komplett abgegeben und bin auch nicht nervös geworden, als das alles ewig dauerte.

Sind wir jetzt also auf dem Weg zu einer guten Vereinbarkeit? Ich weiß es noch nicht. Auf jeden Fall ist für uns und mich dieses Thema schon ein großes Ding. Rein faktisch üben wir es aus, haben Job, Familie und Haushalt, aber in meinem Kopf will sich noch nicht so recht einstellen, dass bei der Vereinbarkeit alle mitmachen müssen. Und sie wollen ja auch mitmachen, allen voran mein Mann. Aber ich muss lernen, dies zuzulassen und abzugeben.

Und so arbeite ich daran und lese weiter fleißig Andreas Blog mit Ermunterungen und Tipps. Und wer weiß, vielleicht mache ich noch mal einen Blog reloaded. Vorerst habe ich mich erst mal bei Instagram angemeldet, das geht schneller 😉

 

Claudia aus Berlin

Ist bei Instagram: dreikinder_vielchaos

War bei breze-in-berlin.blogspot.de

 

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.