Nach den beiden Blogger-Konferenzen denkst und Blogfamilia entbrannte unter den Bloggern eine spannende Diskussion zum Thema Professionalisierung und SEO Optimierung. Besonders die Beiträge von Patricia und Sarah sind mir hierbei im Gedächtnis geblieben. Sarah – im „echten Leben“ SEO-Expertin empfahl hierbei eine SEO Tool im die Performance seiner Seite zu testen. Was ich auch gleich tat. Als ich meine Zahlen sah, war ich etwas enttäuscht und fragte Sarah, woran das liegen könnte. Sie meinte: „Mach Dir keine Sorgen – das sind keine schlechten Zahlen – Du hast einfach einen Nischenblog?“

Ist mein Leben eine Nische?

Irgendwie war dieser Satz ein Schlag in die Magengrube. Nicht, weil ich das Gefühl hatte, das Sarah mich damit verletzt hatte. Vielmehr hatte ich die letzten Jahr immer das Gefühl, dass ich mit meinem Vereinbarkeitversuch einfach eine von vielen Müttern da draußen bin, die täglich versucht Arbeit und Familie unter einen Hut zu bekommen. Um genau zu sein sind 2 von 3 Müttern in Deutschland berufstätig. Hier von einer Nische zu sprechen wäre also doch eigentlich falsch, oder?

Das Thema Vereinbarkeit ist aktuell auch in vielen Blogs ein großes Thema. Die von mir hoch geschätzte Sonja beschreibt in ihrem Blogartikel „Die Vereinbarkeit ist ausgereizt„, welchen Balanceakt sie tagtäglich meistern muss. Robert Franken stellt auf digitaletanzformation die Frage „Wollen wir uns das leisten? Für ein Ende der Mütterdiskriminierung“  und Frau Kreis zeigt mit ihrem Text „Das ist der Mann zu meinem Beruf...“ in spannender Art und Weise auf, wie viel Arbeit noch vor uns liegt, bis auch unsere Kinder echte Gleichberechtigung und damit Vereinbarkeit leben können und werden.

Diese drei Texte – die nur eine kleine Auswahl sind der Texte dieser Art in den letzten zwei Wochen. Dennoch zeigen sie in meinen Augen folgendes recht deutlich auf:

3 Fakten für einen Weg zur besseren Vereinbarkeit:

  1. Vereinbarkeit klappt nur dann, wenn beide Partner sich ehrlich und partnerschaftlich als Team einbringen!
  2. Die Arbeitgeber (nicht primär der Gesetzgeber) müssen sich endlich bewegen und selbst die Flexibilität an den Tag legen, die sie auch von ihren Mitarbeitern in diesem digitalen Zeitalter erwartet!
  3. Die gesellschaftliche Akzeptanz und Toleranz gegenüber Familien in denen beide Elternteile arbeiten – idealerweise in einem einigermaßen ausgeglichenen Verhältnis – muss sich erhöhen! Denn nur so erreichen wir eine Sichtbarkeit, Anerkennung und den gesellschaftlichen Stellenwert, den wir und mit dem was wir täglich leisten auch verdienen.

Wenn also das Jonglieren mit Terminen, die Erledigung von Pflichten, das Leisten guter Arbeit und das Leben als Familie für so viele Menschen in Deutschland täglich Brot ist – warum ist dann ein Blog zu genau diesem Thema ein Nischenblog. Warum suchen Frauen im Netz lieber nach dem nächsten Pastinaken-Brei Rezept für unsere Kinder als nach beruflichen Vorbildern?
Etwas, dass wir Frauen seit Jahrhunderten machen – was mit Intuition und Instinkt zu tun hat – das „Mutter sein“ – verunsichert uns so sehr, dass wir konstant auf der Suche nach Optimierungs- und Vergleichsmöglichkeiten sind.
Eine Sache, die für uns im Vergleich dazu immer noch recht neu ist – die echte Vereinbarkeit von Familie und Beruf – die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, beruflich wie privat – dieser schenken wir im Vergleich dazu wesentlich weniger Aufmerksamkeit.

Ich finde das erschreckend. Nicht, weil ich mit meinem Blog dem Label „Nische“ entkommen will – sondern weil es in meinen Augen zeigt, dass wir Frauen uns bei der Frage der Vereinbarkeit immer noch ein großes Stück selbst im Wege stehen.

Und dabei plädiere ich jetzt nicht dafür, dem Muttersein und unseren Kindern weniger Aufmerksamkeit und Gewicht zu geben. Nein. Ich plädiere dafür uns – unserer Berufung und joblichen Zielen mehr Aufmerksamkeit und Stellenwert zu geben. Sich einzusetzen, für das was uns wichtig ist. Seine Stimme zu erheben. Stellung zu beziehen. Und uns selbst nicht zu vergessen.

Wir müssen lernen uns selbst, unsere Wünsche und Forderungen wichtig zu nehmen, denn nur so werden sie auch von anderen als solches wahrgenommen.

Mein Blog mag eine Nische sein. Mein Leben ist es nicht. Denn es ist so wie das von 75% aller Mütter in Deutschland. Ich versuche mein Leben zwischen Kindern, Karriere, Partnerschaft, persönlichen Interessen und Freundschaften jeden Tag aufs neue auszubalancieren. Mal gelingt es mir besser. Mal schlechter.

Ich rede nur darüber. Manchmal laut. Manchmal leise. Manchmal mutig und manchmal auch ratlos. Ich gebe der Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Stimme. Mache damit das Private zum politischen und und das Politische privat.

Das sollten wir alle in meinen Augen viel öfter tun!