Ich bin es leid mich im Kreis zu drehen!

So – jetzt muss ich dann doch kurz meinem Frust freien Lauf lassen.

Am 31. Oktober 2014 schrieb der Spiegel: „Meine Kinder sind mein Hobby“ – ist das okay?

In diesem Artikel geht es um Sigrid Evelyn Nikutta – Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe.
Neben ihrem Vollzeitjob in einem Unternehmen mit über 12.000 Mitarbeitern ist sie auch noch Mutter von 4 Kindern.

In diesem Interview sagte sie (laut Spiegel): „Meine Kinder sind mein Hobby. Ich spiele eben nicht Golf oder gehe segeln.“

Ich habe darunter verstanden, dass sie aufgrund ihrer beruflichen Situation und der 4 Kinder kein eigenes Hobby wie Nähen, Golfen und Co. hat, sondern die ihr zur Verfügung stehende freie Zeit am liebsten mit Ihren Kindern verbringt.
In meinen Augen also keine verwerfliche Aussage.

Der Spiegel meinte aber sofort, Kinder und Hobby in eine direkte Beziehung stellen zu müssen und somit Frau Nikuttas Aussage moralisch anzuprangern.

Aber als wäre das noch nicht ärgerlich genug (denn ich bin mir sicher, wenn ein Mann in einer Führungsposition diese Aussage getätigt hätte, wäre dies dem Spiegel keine einzige Zeile wert gewesen), entdecke ich heute dank einer lieben Bekannten einen Artikel in der Berliner Zeitung, in der schon 2011 erwähnt wurde, dass Herr Nikutta seinen Beruf in den kommenden Jahren ruhen lässt, um sich Vollzeit um seine Kinder zu kümmern.

D.h. das Einzige, was Familie Nikutta lebt ist ein anderes, als das klassische, althergebrachte Rollenbild. Das ist ihre private Entscheidung und sollte daher in meinen Augen gar nicht zur Diskussion stehen!

 

Da wirft sich meine Stirn in Falten

(und das tut ihr nicht gut, denn ich bin schon Mitte dreissig)

und ich frage mich:

  • Sind wir gesellschaftlich wirklich noch an dem Punkt, wo die Möglichkeit der neuen Rollenverteilung wieder und wieder diskutiert und auch kritisiert werden muss?
  • Sollte es nicht egal sein, wer innerhalb einer Familie die primäre Aufgabe der Kinderbetreuung übernimmt? Es gibt so viele Modelle, die alle ihre Berechtigung haben. Ich dachte im Jahre 2014 sollte dies auch bis zu den Redakteuren des Spiegels durchgedrungen sein.
  • Sollte die Wahl der Aufteilung von Kinderbetreuung und Berufstätigkeit nicht eigentlich Privatsache sein?
  • Meinen Männer mit dieser Stigmatisierung der berufstätigen Frauen in Führungspositionen diese auf diesem Wege wieder los werden zu können, damit der Stuhl wieder männlich besetzt werden kann?
  • Wäre diese Aussage dem Spiegel auch einen Artikel wert gewesen, hätte sie HERR Nikutta getroffen?

Ich bin nach diesem Artikel auf jeden Fall wieder echt frustriert – denn eine Optimistin wie ich sie bin dachte, wir sind über den Punkt hinweg an dem die Richtigkeit der Wahl der Kinderbetreuung öffentlich diskutiert werden muss.

Aber es ist wohl immer noch ein langer Weg dahin.

Wie seht ihr das?

Bin ich zu idealistisch? Versucht der Spiegel durch solche Artikel zu provozieren um Traffic zu generieren? Oder hat das alles ganz andere Gründe.

Ich bin gespannt.

Lieber Gruß

Eure

Andrea

 

 

 

 

4 Kommentare

  1. Liebe Andrea,
    meine Kinder – mein Hobby.

    Nein, es ist nicht ok, das so zu sagen !

    Aber es hat nichts damit zu tun, welche Aufgabenverteilung in der Familie Nikutta herscht, die ist unkonventionell und fortschrittlich, das ist hierbei nicht der Punkt.

    Es ist für mich auch überhaupt nicht der Punkt, ob die Aussage von einer Frau kommt oder von einem Mann.

    Ich hatte mich über diese Aussage schon sehr aufgeregt und ergreife gern die Gelegenheit, das für Dein Blog zu formulieren.

    Ich fühle mich von so einem Spruch verhöhnt, ehrlich gesagt, weil er einfach nicht die Realität abbildet.
    Kinder zu haben ist eben kein Hobby, weil es nicht immer nur schön und entspannend ist, wie es die Bezeichnung Hobby doch suggeriert. Aufgrund verschiedener Umstände muss ich in die Betreuung und Erzieheung meiner Tochter ähnlich viel investieren wie in meine berufliche Tätigkeit. Es erfordert Arbeit, Ausdauer, Durchhaltevermögen, das lässt sich alles nicht mit einem Hobby vergleichen, das ist albern.
    Kinder sind kein Wellnessprogramm für die gestresste Managerin / den gestressten Manager.

    Außerdem: es gibt sicherlich noch sehr, sehr viele andere Eltern, die keinen Partner/ keine Partnerin haben, der/die sich 100%ig der Kinderbetreuung widmen kann, weil er/sie nicht berufstätig ist. Da kann man dann leicht von „Hobby“ reden, der Partner hat die unangenehmen Aufgaben weitgehend übernommen. Hier habe ich den Eindruck von Rosinenpickerei. Der Stress ist schon weg, wenn sie dazu kommt. Die hat gut reden ! Hätte sie vor dieser Aussage mal lieber besser nachgedacht !

    Ich sag das jetzt mal so, auch wenn jetzt ein schräges Licht auf mich fallen sollte. Das ist natürlich ein Angriff auf eine Frau, das mag mir übel genommen werden.

    Deshalb noch einmal: das würde mich genauso aufregen, wenn es ein Vater so gesagt hätte, das möge man mir bitte glauben.

    Viele Grüße
    Dirk

    Antworten
    • Lieber Dirk,

      was ist aber, wenn sie es gar nicht so gemeint hat – sondern wie in meinem Blogartikel erwähnt meinte: Meine freie Zeit widme ich zu 100% meinen Kindern und gönne mir daher auch nicht den Luxus eines Hobbys sondern bin nur für meine Kinder da.

      Wie wäre denn dann deine Sicht auf die Dinge?

      Gruß
      Andrea

      Antworten
  2. Liebe Andrea,
    wenn sie das mal so gemeint hat, wäre es ja in Ordnung !
    Ich habe es leider überhaupt nicht so auffassen können wie Du.
    Den Begriff „Hobby“ im Zusammenhang mit Kindern finde ich jedenfalls total unangebracht, dieses Wort ist schließlich gefallen.
    Viele Grüße
    Dirk

    Antworten
  3. Hm, ich finde ihre Aussage etwas unklug gewählt – in ihrer Position hätte sie wissen müssen, dass ein Wort wie Hobby in Kombination mit Kindern sofort auf die Goldwaage gelegt wird. Aber abgesehen davon denke ich mittlerweile leider, dass das alte Rollenmodell (Frau mit Kindern zuhause, Mann in der Arbeit) trotz vieler Fortschritte heute immer noch sehr aktuell ist. Ich musste mir schon einiges anhören wie egoistisch und unangebracht es denn sei nach einem Jahr wieder arbeiten zu gehen; und das auch noch in Vollzeit – pfui. Schlimmer noch ist es aber für meinen Mann. Er hat leider nicht wie gedacht den unbefristeten Vertrag bekommen und muss nun wieder von vorne anfangen. Als Krönung hat die Dame vom Finanzamt sogar extra angerufen nachdem wir die Lohnsteuerklassen geändert hatten (ich 3, er 5) ob denn das auch wirklich korrekt sei oder er sich nur vertan hat…. Es fragt auch keiner wieso man arbeitet (vermutlich gibt es bei vielen Frauen mit kleinen Kindern auch finanzielle Gründe), sondern wird immer direkt in eine Schublade verfrachtet. Bei Männern stellt sich diese Frage gar nicht, da ist es selbstverständlich wenn er nach dem Kind wieder Vollzeit oder gar mehr arbeitet. Ich muss sagen ich bin stolz auf meinen Mann, der Hannah sehr oft in die Krippe bringt und so gut wie immer abholt. Tief in seinem Herzen will er zwar der Familienernährer sein (und wenn alles klappt kann er das auch bald) aber im Alltag teilen wir uns das Bündel „Familie“ eben auf so gut es geht…

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