Am Anfang hatte ich gehofft, es renkt sich noch irgendwie ein. Doch das tut es nicht und so ist die Konsequenz: Unser Au Pair wird uns verlassen! Es hat diesmal nicht geklappt. Das macht mich traurig und ich bin enttäuscht und müde. Doch ich sollte Euch die ganze Geschichte von Anfang an erzählen:

Wenn es mit dem Au Pair nicht klappt…

 

Mit unserem ersten Au Pair waren wir sehr zufrieden. Sie war ein liebes, fleißiges Mädchen, dass zuverlässig, pünktlich und offen war. Die einzigen Kritikpunkte, die wir damals hatten: Sie sah sich nie richtig als Familienmitglied und war leider auch nicht sonderlich sportlich.
Im Zusammenleben merkten wir aber, wie wichtig uns diese beiden Punkte waren, da gemeinsame Interessen und eine echte Integration in die Familie das Leben mit Au Pair einfach noch schöner machen.
So achteten wir bei der Suche nach unserem zweiten Au Pair darauf, dass sie ein sportliches Mädchen ist und etwas jünger, als unser erstes Au Pair. Wir hofften damit ein echtes, neues Mitglied in unsere Familie aufnehmen zu können. Was wir allerdings bei der Suche ziemlich schnell feststellten:

 

Das perfekte Au Pair gibt es nicht!

 

Wir fanden entweder Mädchen, die älter waren – aber dafür sportlich. Gut Deutsch sprachen – aber aus einem Land mit Visumspflicht kamen (was wir für uns ausgeschlossen hatten) oder kein Deutsch sprach, dafür aber jung und sportlich war. Das All-Inklusive-Paket unseres Wunsch-Au-Pairs gab es nicht. Aber sind wir mal ehrlich – das gibt es nirgends! Es gibt keinen perfekten Partner, kein perfektes Kind, keine perfekten Eltern….
So entschieden wir uns am Ende also für ein Mädchen aus Spanien, was sportlich schien und dies auch in den gemeinsamen Skype-Gesprächen bestätigte, 18 Jahre alt war – aber kein Deutsch sprach.

Da in der Nachbarschaft ein spanischer Junge lebte, der innerhalb der ersten Monate schnell ausreichend Deutsch lernte, machte ich mir keine Sorgen, dass dies auch bei uns klappen würde. Schließlich wollte unser Au Pair Deutsch lernen, damit es am Ende des Au-Pair-Jahres in Spanien Tourismus studieren konnte. Ein Studiengang, zu dem sie zwei Fremdsprachen beherrschen musste.

Anhand meiner wagen Formulierungen merkt ihr schon:

Manchmal kommt als Au Pair Eltern anders als man denkt!

Es war alles so schön geplant. Nach der Ankunft unseres neuen Au Pairs fuhren wir direkt in den Urlaub an die Nordsee und nahmen sie mit. Es stellte sich sehr schnell bei gemeinsamen Radtouren heraus, dass sie leider entgegen ihrer Aussage nicht sportlich war und ihr Sport auch keinen Spaß machte.

Was wir auch unterschätzt hatten: Die Sozialen Medien. Unser neues Au Pair sprach oft und viel mit Ihren Lieben zu Hause per Skype, Whats App und Co. Aber wenig mit uns als Familie. Ich schob dies auf die Zeit des Ankommens und des aneinander gewöhnens und hoffte auf Besserung, sobald die Sprachschule startete.

Es wurde September und der Intensiv-Sprachkurs begann 4 Tage die Woche  Der erste Monat verging – ich sah unser Au Pair kein einziges mal Vokabeln lernen oder das Gelernte im Alltag mit uns umsetzen. Auch ein Krisengespräch sorgte nur kurzweilig für Besserung.

 

Radtour mit Kleinkindern

Wir alle lieben Radtouren – unser Au Pair leider nicht

 

Wenn die Kinder und das Au Pair nicht zusammenfinden.

 

Ende September gab es immer mehr Momente, in denen unser Au Pair mit einem der Kinder für eine Stunde oder mehr alleine war. Sie übernahm das Abholen vom Kindergarten, den Bringdienst zum Fußballtraining oder abendliches Babysitten. Parallel häuften sich immer mehr die Momente in denen die Kinder sagten: Ich mag nicht dass unser Au Pair das macht. Oder sie schrien „No“, wenn unser Au Pair ihnen bei etwas helfen sollte.

Wenn ich sie in einem ruhigen Moment fragte, ob sie unser Au Pair mochten, bejahten sie dies. Doch die Tatsache, dass sie sich nicht mit dem Au Pair austauschen konnten, sich nicht verständlich machen konnten und verstanden wurden, verursachte offensichtlich großes Unbehagen bei den Kindern.

Es gab weitere Krisengespräche und ich erklärte unserem Au Pair, dass Kommunikation auch nonverbal sein kann. Das z.B.  ein gemeinsames Basketballspiel eine vertrauensbildende Maßnahmen bei den Kindern sein kann, die Zuneigung und Kooperationsbereitschaft erzeugt.

Es vergingen weitere Wochen – doch es änderte sich weiterhin kaum etwas. Unser Au Pair sprach und interagierte nicht mit den Kindern und nicht mit uns Gasteltern. Sie war pünktlich, zuverlässig und ordentlich. Doch das gemeinsame Zusammenleben war mehr ein nebeneinander her leben ohne echte Interaktion.

Während meiner Geschäftsreise nach Berlin, bei der unser Au Pair sogar weitestgehend von meinen Eltern unterstützt wurde, eskalierte die Situation, als unser Au Pair unserem Mittleren beim Abholen aus dem Hort nicht klar machen konnte, warum er zum Fußballtraining bei schlechtem Wetter eine lange Hose anziehen musste und dies zu einem Wutanfall auf seiner Seite führte.

 

Krisengespräch mit dem Au Pair

Nach meinem Berlin-Trip gab es somit erneut ein Gespräch mit unserem Au Pair, in dem sie uns mitteilte, es sei ihr nicht möglich eine Beziehung zu unseren Kindern aufzubauen. Auf die Frage, was wichtig sei um eine Beziehung aufzubauen und zu festigen kamen wir wieder auf das Thema Sprache und Interaktion. Sie meinte, es wäre zu viel von uns verlangt, wenn wir nach mittlerweile zwei Monaten Intensivkurs erwarten würden, dass sie ein wenig Deutsch sprechen würde.

Nach diesem Gespräch war ich traurig, enttäuscht und fühlte mich leer und erschöpft. Es war klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Am nächsten Morgen teilte mir unser Au Pair mit, dass sie sich eine neue Familie suchen möchte, in der der Job des Au Pairs nicht so anstrengend sei wie bei uns.

Sie hat nun zwei Wochen Zeit sich eine neue Familie zu suchen – denn das ist die Standard-Kündigungsfrist in einem Au Pair Vertrag. Sie will auf jeden Fall in München bleiben.

 

Unser Vereinbarkeits-Kartenhaus fällt in sich zusammen!

Aufgrund meiner und der beruflichen Position meines Mannes ist Vereinbarkeit bei uns nur dann möglich, wenn wir neben Kindergarten, Schule und Hort noch weitere Betreuungs-Unterstützung haben. Die Lösung mit einem Au Pair gibt uns hierbei Flexibilität und dennoch Kontinuität, die im letzten Jahr für uns sehr gut funktioniert hat. Auch wenn es diesmal mit dem Au Pair nicht geklappt hat ist diese Lösung für mich immer noch eine wirklich tolle Möglichkeit für Familien.

 

Ein neues Au Pair? Erst mal nicht!

Dennoch habe ich gerade das Gefühl, dass ich erst mal kein neues Au Pair suchen und aufnehmen will. Nochmal einen Menschen, auf den ich mich emotional einlassen muss. Noch einmal diese aufreibende Suche. Dafür habe ich momentan keine Kraft!

Wir müssen diesmal an anderen Vereinbarkeits-Stellschrauben drehen. Ich werde also wieder 2-3 Babysitter akquirieren, mehr mit anderen Eltern zusammenarbeiten und eventuell auch Termine der Kinder reduzieren.
Aber ich werde auch an den Job-Stellschrauben drehen. Ich will an den Jobstellschrauben drehen! Damit die neue Vereinbarkeit für uns alle – und vor allem für mich – wieder ins Gleichgewicht kommt.

Welche Stellschrauben dies sind lasse ich Euch selbstverständlich bald hier wissen.

Jetzt freut sich erst mal unser Großer über sein neues, eigenes Zimmer. Wir schmieden Pläne für die Kinderzimmereinrichtung und ich bin mir sicher, wenn wir in zwei Wochen aus unserem Herbsturlaub aus Südtirol zurückkommen werden wir auch neu gestärkt den Vereinbarkeitsalltag ohne Au Pair meistern.

 

Oder wie die kluge Julia auf Twitter sagte:

 

Ich werde Euch hier auf dem Laufenden halten!
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