Das Gras auf der anderen Seite

Gestern war die Kita wegen eine Schulung geschlossen und ich somit mit den Kids deshalb gemeinsam zu Hause.

Mit Sonne im Gesicht gehe ich die Straße hinunter und schiebe den Kinderwagen vor mir her. 5 Meter  vor mir fährt mein Mittlerer mit seinem Mountainbike. Der Große kommt gerade aus der Schule. Ich treffe eine Nachbarin, die gerade ihr Auto putzt – wir quatschen ein wenig und verabreden uns für den Nachmittag für einen gemeinsamen Spielplatzbesuch.

Das ist der Moment, in dem ich mich frage, warum ich nicht einfach Hausfrau werde.

Mich einfach mal nur um Haushalt und Kids kümmere und diesen ganzen Vereinbarkeitsquatsch sein lasse. Das Leben auf der anderen Seite erscheint in diesem Moment so viel grüner.

Zu Hause angekommen wasche ich die gerade gekauften, frischen Erdbeeren. Ich stelle Milchreis auf den Herd und schneide die Erdbeeren klein.

Kurze Zeit später sitze ich mit allen 3 Kindern am Esstisch und esse zu Mittag.
Als alle Kids wieder aufgestanden sind bleibe ich noch etwas sitzen, telefoniere kurz mit meinem Mann.
Die Jungs rufen mich. Mama – komm schnell – die Jüngste hat da was gemacht!

Als ich oben ankomme sehe ich was dieses „was gemacht“ bedeutet. Sie hat sich die Fingernägel lackiert. Mit meinem teuren OPI Nagellack. Und nicht nur ihre Nägel. nein ihre gesamten Beine – bis zu den Knien. Die gesamten Unterarme. Den Teppichboden, ein Stofftier und ein Zimmerfenster.

Ich packe also das Tochterkind und stecke es erst mal in die Badewanne. Danach hole ich Nagellackentferner und versuche den Teppich zu retten. Nach dem ersten, schnellen Rettungsversuch, der noch nicht so ganz erfolgreich war kümmere ich mich erst mal um das weinende Mädchen das in der Wanne sitzt.
Das Abrubbeln des Lacks tut weh. Sie weint und schimpft.
Ich schimpfe auch.

Danach rubbel ich noch über eine Stunde mit Teppichreiniger und Co auf dem Zimmerboden rum. Leider nicht 100%tig erfolgreich. Die Spuren lassen sich nicht komplett beseitigen. Die Jungs werden ungeduldig und stehen alle 5 Minuten im Zimmer und wollen meine Aufmerksamkeit.
Meine Geduld und Ruhe sind fast aufgebraucht und in kurzen Momenten leider komplett verschwunden.

Im Anschluss rufe ich wieder meinen Mann an.
Ich kann das nicht – und ich will das nicht. Ich will wieder in mein Büro. Dort ist es so schön leise und die Menschen machen das, was ich sage.

Das sind Momente, in denen ich mich frage wie ich auf die Idee gekommen bin 3 Kinder zu bekommen. Ich habe das Gefühl als Mutter versagt zu haben.

Meine Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht.

Ich frage mich, wie das nur Frauen machen, die zu 100% zu Hause sind. Ich fühle tiefen Respekt und Bewunderung. Ich weiss ich bin dafür nicht gemacht. Als Vollzeitmama tauge ich nicht.
Gefühlt heute nicht ein mal als Teilzeitmama.

An diesem Abend bestellen wir Pizza. Und trinken Prosecco dazu. Ja es ist einer dieser Tage.

In der Nacht schreibt mir meine beste Freundin eine sehr persönliche Email. Das erste mal seit sie weggezogen ist. Sie vermisst ihr Leben hier. Sie hat das Gefühl sie dreht sich nur noch um ihre Kids, weiss gar nicht, ob sie noch in Ruhe für 15 Minuten auf einem Stuhl sitzen kann. Sie ist Vollzeitmama.

Das sind wohl einfach diese Tage?

Ich glaube wir haben sie alle hin und wieder. Und dann wünschen wir uns eben genau das Gegenteil von dem, was wir gerade haben. In der Regel gehen sie wieder vorbei. Hoffe ich. Ein wenig Nachwehen habe ich noch. Mein Herz ist heute noch ein wenig schwer.

Ich sitze gerade im Zug – ein Wochenende ohne Kinder.
Das kommt wie gerufen! Ich muss meine Batterien auftanken. Danach ist auch sicher wieder meine Wiese grün.

Eure
Andrea

 

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1 Kommentar

  1. Hallo Andrea,
    ich musste schmunzeln bei „ich will wieder in mein Büro. ..“ Ich habe mich für die Vollzeitmama entschieden und mit jedem Tag wachse ich mehr in diese Rolle rein. Doch es wird wohl auch bei mir noch öfters diese Tage geben….
    Danke für diesen schönen Artikel.
    Liebe Grüße
    Nadine

    Antworten

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