Selbstzweifel als Mutter und Frau – vom Loslassen und frei Fühlen

Ich habe in den letzten Tagen einige Artikel gelesen, die mich sehr zum Nachdenken und Reflektieren gebracht haben. Da war  zum einen der Artikel von Hauptstadtgoere, die fragt: „Ist es Dir wichtig, was andere über dich denken“ . Der Artikel auf dem Blog der  „Stadt Land Mamas“: „Wir Eltern sollten zusammen halten, anstatt uns noch mehr Druck zu machen“ und der Artikel von Danny von Butterflyfish: „Wenn Frauen mal wieder Frauen haten“. Ich dachte nach über Selbstzweifel als Mutter und Frau – wie es mir damit in der Vergangenheit ging und wie ich heute damit umgehe.

Selbstzweifel als Mutter und Frau
meine Geschichte

 

Wenn wir Kinder sind ist besonders eines wichtig. Wir wollen dazugehören! Ein Teil des großen Ganzen zu sein und nicht auffallen. So ging es auch mir als Kind. Ich wollte Teil der Gruppe sein, der Klassengemeinschaft und mit dem beliebtesten Mädchen der Klasse befreundet sein. Da ich bereits mit 6 Jahren mit Judo anfing und schnell merkte, dass mich außer Barbie spielen die restlichen Mädchenthemen eigentlich nicht interessierten, war ich immer hin und her gerissen zwischen dem Wunsch dazu zu gehören und mich dafür anzupassen und meiner tiefen Leidenschaft zum Sport, der mich aber anders erscheinen ließ in den Augen meiner Klassenkameraden.

Diese Zerrissenheit zog sich durch meine gesamte Schullaufbahn. Ich war immer mehr Außenseiter als Teil der Klassen-Clique und war oft Mittelpunkt fieser Lästereien. Hühnerbein und Rübennase waren nur zwei der „Kosenamen“ die mir meine Klassenkameraden in dieser Zeit verpassten.

In der Oberstufe gab es eine Situation, die alles änderte: Im Sale hatte ich mir eine superschöne, rote enge Satinhose gekauft. Ich mochte sie sehr und zog sie voller Stolz in die Schule an. Kurz nach dem Ankommen im Klassenzimmer hörte ich, wie die „coolen Mädchen“ meiner Klasse sich über meine Hose lustig machten. Klar verletzte es mich sehr und ließ mich zweifeln, ob die Hose wirklich schön war. Doch dann beschloss ich: „Scheiss drauf – es ist mir egal. was die anderen denken! Ich mag diese Hose. Punkt!“ Meinen Standpunkt ließ ich die Klassenkameradinnen ziemlich unmissverständlich wissen. Sie ließen meinen Standpunkt gelten und lästerten nach diesem Tag nie mehr über meine Klamotten.

Selbstbewusstsein schlägt Selbstzweifel

Ich machte an diesem Tage eine Erfahrung, die mir bis heute hilft mich durch den Alltag als Mama, berufstätige Frau, Partnerin und Freundin zu manövrieren, ohne ständig an mir selbst und meinen Entscheidungen zu zweifeln.

Das Allerwichtigste ist, dass ICH hinter meinen Entscheidungen stehe! Wenn ich an mich glaube, dann glauben auch die Anderen an mich!

Das heißt nicht, dass die Meinungen von anderen Menschen mir nicht wichtig sind, oder ich diese nicht gelten lasse. Aber ich selektiere hier stark. Menschen denen ich vertraue – meine Freunde oder Familie – ihre Meinung ist mir wichtig! Denn ich weiß, dass sie über mich und meine Meinungen urteilen und mich nicht verurteilen! Sie kennen mich, können mein Verhalten richtig einordnen und sehen das ganze Bild.

Menschen, die von außen urteilen, sehen meist nur ein kurzes Fragment des Ganzen. Kennen nicht die ganze Geschichte und können die Situation somit nicht kompetent beurteilen! Ich kann mir ihre Meinung anhören – schaffe es aber immer, eine gesunde Distanz zum Ganzen zu halten.

 

Selbstbewusst zum eigenen Lebenskonzept stehen

Ich weiß, dass viele Menschen – auch aus meinem Umfeld – mein Lebenskonzept, meine Berufstätigkeit und meine Leidenschaft für den Sport kritisch sehen. Das ist ok. Das dürfen sie auch. Ich verlange von niemandem, dass er diese Lebenskonzept ebenfalls lebt. Ich denke nicht, dass mein Lebenskonzept das einzig Richtige ist. Aber es ist MEIN Lebenskonzept. Es ist richtig für mich! Für uns als Familie!

 

Mein gewähltes Lebenskonzept ist nicht als Kritik am Lebenskonzept anderer zu verstehen!

Doch ich glaube genau darin liegt oft das Problem, das in den Artikeln von Danny und auf Stadt Land Mama beschrieben wird! Gerade wir Frauen haben leider oft die Eigenschaft, ein anderes Lebenskonzept gleichzusetzen mit Kritik am eigenen. Du lebst Attachment Parenting – dann ist das eine Kritik an meiner Entscheidung gegen das Stillen? Du bleibst die ersten Jahre mit deinem Kind zu Hause – dann denkst Du, meine Entscheidung wieder arbeiten zu gehen ist falsch?

Doch das ist in meinen Augen Quatsch! Es ist DEIN Leben! DEINE Entscheidung! DU musst glücklich sein und nur Du weißt, was dich glücklich macht. Menschen, die Deine Entscheidung kritisieren, nur weil sie konträr oder anders sind zu ihrer eigenen, urteilen nicht danach was für dich richtig ist. Sie urteilen danach, was ihr eigenes Lebenskonzept am wenigsten in Frage stellt!

Dabei ist es doch völlig ok anderer Meinung zu sein! Wir müssen weder alles das gleiche wollen, noch das gleiche Ziel verfolgen. Was wir aber alle sein sollten, ist glücklich zu sein mit unseren eigenen Entscheidungen.

 

Wir sollten uns hinstellen können und selbstbewusst sagen können:
Das bin ich – und das ist mein Lebenskonzept!

Dafür brauchen wir Respekt. Und Selbstbewusstsein! Wir brauchen den Glauben an uns selbst und einen sicheren Hafen! Diesen sicheren Hafen haben wir genau da, wo Menschen sind, die uns so respektieren wie wir sind.

Wenn wir aufhören die Entscheidungen anderer (besonders anderer Mütter) zu be- und verurteilen und uns darauf konzentrieren zu uns selbst zu finden, dann setzt dies so viel positive Energie frei!

Ich werde oft gefragt, wie ich meinen Alltag mit Kindern, Beruf und Sport hinbekomme. Mein Geheimnis ist, dass ich mich unglaublich auf mich – auf uns als Familie konzentriere. Ich versuche keine Zeit darauf zu verschwenden, über das Leben Anderer zu urteilen. Ich nutze meine Zeit dafür, sie in mich selbst zu investieren.

 

Erfahrungen machen mich selbstbewusst

Das heißt nicht, dass ich mich nicht hinterfrage. Entscheidungen überdenke und auch mal wieder vollkommen über Bord werfe. Stetiger Wandel gehört besonders zum Leben als Mama dazu. Doch ich versuche, die meisten Entscheidungen bewusst zu treffen. Diese bewussten Entscheidungen helfen mir dabei, zu ihnen zu stehen. Meine Entscheidung zu vertreten und Kritikern somit den Wind aus den Segeln zu nehmen!

Dieser Weg dahin wo ich heute stehe war nicht so einfach, wie er sich jetzt hier anhören mag. Er war mit vielen Selbstzweifeln, Rückschlägen und Ablehnung verbunden. Gerade die Ablehnung anderer ist etwas, was mich noch heute oft schmerzt. Doch das Gefühl, was am Ende bleibt ist eine Verbundenheit zu mir selbst! Sie gibt mir Sicherheit und Kraft. Sie macht mich großzügig und gelassen.

 

Annehmen statt Selbstzweifel

Niemand ist perfekt! Und das ist auch gut so! Wir selbst sind es nicht und sollten es auch von niemandem erwarten! Wir geben täglich unser Bestes – und für jeden hat dieses Beste eine andere Definition. Wenn wir es schaffen uns selbst anzunehmen – mit unseren Stärken und Schwächen – fällt es uns auch leichter genau dies bei anderen zu tun.

Ich wünsche mir so sehr, dass wir das schaffen! Für uns selbst! Und für das Miteinander unter Müttern im Besonderen. „Du bist gut so wie Du bist! Und ich bin es auch!“ Wenn wir es schaffen, das ein wenig mehr zu leben, können wir uns gegenseitig sehr viele Selbstzweifel als Mutter nehmen und Kraft spenden. Das wäre wirklich schön!

 

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6 Kommentare

  1. Danke, liebe Andrea, für diesen wunderbaren Beitrag. Du bringst auf den Punkt, was auch mich seit längerem umtreibt. Leben und leben lassen ist eine große Kunst. Verurteilung und Neid ein schlechter Begleiter. Es wäre so schön, wenn wir uns alle weiter öffnen könnten, Lebenskonzepte von anderen als „einen möglichen Weg“ anzusehen. Und damit nicht zu verbinden, dass es bei uns genauso oder beim anderen genauso wie bei uns laufen sollte. Es gibt nicht die EINE Wahrheit sondern eine enorme Vielfalt. Ich finde den ehrlichen und offenen Blick hinter andere Modelle spannend und bereichernd. Manchmal geben Sie mir Anreiz, Nuancen in meinem Konzept anzupassen. Manchmal das Gefühl, für mich und meine Familie den richtigen Weg zu gehen. Das Miteinander, das zwischenmenschliche ist das, was uns trägt. Nicht der Zorn und die Missgunst gegenüber anderen.

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  2. Grandioser Text! Wirklich! Du hast so Recht, in Allem.
    Was bei die die rote Satin Hose war, war bei mir mein braunes Samt-Shirt.
    Ich verstand mich damals schon immer mit den Jungs besser, als mit den Mädels und war somit auch irgendwie anders.

    Deinen Text würde ich am liebsten ausdrucken und allen Müttern in die Hand drücken.

    Danke!!!

    Liebste Grüße,
    Sandy

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  3. Da schließe ich mich Sandy an. Ein toller Text, den sich jede Mutter (und nicht nur die) durchlesen sollte. Danke dafür!
    Liebe Grüße
    Berdien

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  4. Was für ein grandioser Text!

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  5. Hallo, das hast Du schön geschrieben und es ist so wahr. Da kann ich gar nichts hinzufügen, außer dass ich ganz lange irgendwie nirgends dazu gehörte. Damals war es eine andere Zeit und heute habe ich meinen Frieden damit gemacht. 🙂 Und irgendwie gehört man oft mehr dazu als man denkt. Das habe ich als Mama unter anderen lieben Müttern gelernt. Guter Post. Danke. LG, Martamam

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  6. Super Beitrag! Es ist wirklich nicht immer einfach. Sobald jemand anders ist als wir, vor allem „erfolgreich“ anders- heißt glücklich, beruflich erfolgreich etc.- stellt man seinen eigenen Weg in klein wenig in Frage. Natürlich geht es an mir nicht vorrüber, wenn jemand anders super mit etwas klar kommt, woran ich gerade scheitere oder kämpfe. Aber unser Weg ist nicht ohne Grund unser Weg. Und trotz Problemen und Rückschlägen sollte man zu ihm stehen (: Genauso der Punkt *Mein gewähltes Lebenskonzept ist nicht als Kritik am Lebenskonzept anderer zu verstehen!* ist dabei ein ziemlich wichtiger Gedanke, denn das passiert relativ häufig möchte ich meinen. Viele Wege führen nach Rom und nur weil ich etwas anders mache als du ist das nicht gleich besser oder schlechter, sondern einfach anders!

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