Vereinbarkeit neu gedacht: Selbstständigkeit als Mutter

Das Jahr 2017 hat viele Veränderungen mit sich gebracht für uns als Familie, von denen ich Euch noch gar nicht erzählt habe. Eigentlich begann alles auch schon im vergangenen Jahr. Kurz nachdem mein Mann seinen neuen Job annahm. Der Wunsch nach Veränderung verfestigte sich, als unser Au Pair beschloss uns zu verlassen. Gegen Ende des Jahres stand die Entscheidung fest: Wir werden unsere Vereinbarkeit neu ordnen – der neuen Situation anpassen. Seit 2017 bin ich als Freelancer unterwegs. Ich wage die Selbstständigkeit als Mutter.

 

Vereinbarkeit neu gedacht: Selbstständigkeit als Mutter

 

Seit dem 1. Januar 2017 bin ich selbstständig. Es war ein langer Prozess und ein stetiges Abwägen der Optionen für uns als Familie, welchen Weg der Vereinbarkeit wir gehen wollen, nachdem unser Au Pair uns verlassen hatte. Da ich in meinem Job immer wieder reisen muss – und mein Mann unter der Woche auf Projekt beim Kunden irgendwo in Deutschland ist war klar: Mein aktueller Job ist nur machbar mit einem neuen Au Pair.

Gleichzeitig merkten wir, dass sich das Leben mit nun zwei Schulkindern nochmals neu geordnet hatte. Anforderungen und Zeitressourcen hatten sich geändert. Ein einfaches „weiter so“ schien uns nicht die richtige Lösung zu sein.

 

Wenn flexible Arbeitszeiten der Schlüssel zu mehr Vereinbarkeit sind

In meiner beruflichen Laufbahn war ich bereits vor der Geburt unseres ersten Kindes selbstständig. So  wusste ich, dass die Selbstständigkeit für mich eine gute Lösung sein konnte. Dennoch war die Selbstständigkeit als Mutter für uns nur eine Möglichkeit von mehreren zu mehr Vereinbarkeit. Ich hätte mir auch einen neuen Job suchen können, der mit weniger oder gar keiner Reisetätigkeit verbunden war. Doch irgendwie sagte mein Bauchgefühl mir, dass dies nicht die richtige Lösung war.

Mein Mann und ich spielten lange alle Möglichkeiten durch – ich suchte das Gespräch mit meinem Arbeitgeber und sprach mit ihm offen über die Option, für ihn selbstständig zu arbeiten. Wir ließen uns von einer Steuerberaterin beraten, um auch einen Blick auf die steuerliche Situation als selbstständige Mutter zu erhalten. Wir führten Pro und Contra-Listen bezüglich einer Festanstellung und einer Selbstständigkeit. Am Ende war das große „Pro“ in dieser Liste immer wieder die flexiblen Arbeitszeiten als Selbstständige, die in unserer neuen Situation als Familie für mehr Vereinbarkeit sorgen können.

 

Die Würfel sind gefallen: Ich mache mich selbstständig

So bin ich nun seit dem 1. Januar 2017 selbstständig! Ich habe das große Glück, auch auf Projektbasis weiterhin für meine alte Firma arbeiten zu können, was für mich den oftmals zum Start einer Selbstständigkeit entstehenden Akquise-Druck etwas minimiert. Ich habe meinen Job und die damit verbundenen Aufgaben und Kunden immer sehr geliebt und bin dankbar für diese Chance.

Dennoch ist klar: Um nicht in die Scheinselbstständigkeit zu rücken, benötige ich weit mehr als nur einen Kunden. Diese war eine der vielen wertvollen Informationen, die mir meine Steuerberaterin mitgegeben hat.

So gründeten mein Mann und ich gemeinsam eine Gbr um meine Selbstständigkeit auf stabile Füße zu stellen (gemeinsam mit meinem Mann deshalb, weil auch er in der Vergangenheit als Freelancer unterwegs war). Weit vor dem 1. Januar 2017 begann ich mit der Akquise – um mir zum Start meiner vollen Selbstständigkeit in diesem Bereich den Druck zu nehmen. Ich war positiv überrascht wie gut das klappte.

 

Der erste Monat als selbstständige Mama

Heute bin ich seit einem Monat eine selbstständige Mama. Auch wenn mein Start ins neue Jahr und meine Selbstständigkeit als Mutter von einer dicken Erkältung etwas durchgeschüttelt wurde, bin ich dennoch glücklich über diesen Schritt. Ich bin unter der Woche alleine mit drei Kindern. Viele Tage laufen oftmals anders als geplant und die Selbstständigkeit gibt mir etwas mehr Flexibilität, darauf zu reagieren. Endlich habe ich wieder mehr Zeit für meinen Sport – den ich nun einfach in die Morgenstunden verlegen kann – und den Job in die Abendstunden, wenn es das Projekt zulässt.

Vorteile der Selbstständigkeit

 

Es gibt noch Punkte an denen ich arbeiten muss: Zum Beispiel strukturiertes Arbeiten, feste Zeitfenster und feste Zeiten für die Buchhaltung und Co. Aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit diesem Schritt.

Falls ihr neugierig seid mit was ich mich selbstständig gemacht habe – schaut doch einfach auf meiner neuen Webseite vorbei.

 

Selbstständigkeit oder Festanstellung – gibt es einen Weg zurück?

Der Bereich in dem ich tätig bin ist sehr schnelllebig. Es gibt viele, spannende Jobangebote und freie Stellen. Oft wurde ich gefragt, warum ich nicht einfach einen neuen Job gesucht habe, und ob nach der Selbstständigkeit für mich auch ein Schritt zurück in die Festanstellung möglich wäre?

Die Selbstständigkeit als Mama ist für mich ein neuer Weg den ich eingeschlagen habe. Ein Weg um eine neue Vereinbarkeit zu finden. Ich weiß aus der Vergangenheit, dass mir dies auch eine Festanstellung bieten kann. Dafür bedarf es eines Arbeitgebers mit Vertrauensarbeitszeiten, flexibler Zeiteinteilung und einem Vertrauen in meine fachliche Leistung. Diese Arbeitgeber gibt es. Und wenn einer dieser Arbeitgeber mir einen spannenden Job anbietet – dann werde ich wieder abwägen. Überprüfen, was diese Art der Arbeit für meine Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedeutet und unsere Situation neu bewerten.

Es gibt Momente, da vermisse ich die Flexibilität des Au Pairs und Momente, an denen genießen wir es sehr, einfach nur Familie zu sein. Oft schlagen hier zwei Herzen in meiner Brust. Auch dieses Thema ist mit der Selbstständigkeit nicht ganz vom Tisch!

Doch bis dahin freue ich mich über den Schritt den ich gemacht habe. Ich freue mich über die Möglichkeiten, die Chancen und die Projekte die auf mich warten. Habe Vertrauen in das was ich kann und in uns als Familie. Mit diesem Vertrauen kann ich das Beste geben, was ich zu bieten habe. Auch als selbstständige Mama!

 

Habt ihr Fragen zur Selbstständigkeit als Mutter? Fragen zum Thema Buchhaltung? Der Gründung unserer Gbr oder dem Homeoffice?
Dann schreibt sie mir doch einfach hier über das Kontaktformular oder als Kommentar im Blog und ich werde in einem meiner nächsten Blogbeiträge darauf eingehen.

 

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8 Kommentare

  1. Hallo Andrea, wie hast du es mit der allgemeinen Absicherung und der Altersvorsorge strukturiert? K.

    Antworten
    • Das ist in der Tat eine spannende Frage. Ich werde das mal in den kommenden Wochen im Blog erklären. Danke für die Frage!

      Antworten
  2. Glückwunsch zu diesem Schritt, liebe Andrea! Ich bin mir sicher, du wirst deinen Weg selbst und ständig gehen und dabei dich und dein Familienunternehmen nicht aus den Augen lassen. Ich drück dir die Daumen und freue mich über weiter Beiträge aus dem Homeoffice.
    Was mich ich als Selbstständige lange beschäftigt hat, ist das Thema Versicherungen. Speziell die Rentenversicherung. Ich hoffe, du konntest dort auch eine Lösung für dich finden.
    LG nach MUC

    Antworten
  3. Herzlichen Glückwunsch! Mögen Deine Auftragsbücher prall gefüllt und Deine Kunden Dir stets gewogen sein.

    Aber warum eine Gbr und kein Einzelunternehmen?

    LG aus dem Hohen Norden!

    Antworten
  4. Hallo liebe Andrea,

    erst einmal herzlichen Glückwunsch zu Deiner Selbstständigkeit und viel Erfolg für die Zukunft!

    Mich würde auch interessiere, was Du zum Thema Absicherung und Altersvorsorge für Erfahrungen gemacht hast. Aber auch Berichte aus dem Home-Office (wie strukturierst Du Deinen Arbeitstag) oder zum Thema Neu-Kunden-Aquise würden mich interessieren.

    Liebe Grüße,

    Tina

    Antworten
  5. Hallo Andrea,
    meinen Respekt zu diesem Schritt
    Ich finde, es sollten viel mehr Mütter versuchen, ihren eigenen Weg zu gehen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dies nicht leicht ist. Umso erfreulicher ist es, von mutigen Frauen wie dir zu lesen, die es dennoch wagen.
    Ich wünsche dir viel Erfolg!
    Vielleicht können wir uns irgendwann einmal über unsere Fachgebiete austauschen
    Bis dahin alles erdenklich Gute dir und deiner Familie.
    Sonnige Grüße, Ewa

    Antworten
  6. Hallo Andrea,
    herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg!
    Den Schritt zur Selbständigkeit habe ich vor 13 Jahren auch gemacht. Am Anfang war ich sehr erfolgreich, aber hatte auch schwierige Zeiten. Trotzdem bereue ich es bis heute nicht, weil nur die Selbständigkeit mir die Flexibilität ermöglicht, die im Angestelltenverhältnis nicht möglich wäre.
    Mit der Selbständigkeit habe ich neben dem Vollzeitjob angefangen. Ich habe bis zu 80 Stunden in der Woche gearbeitet! Nach einem halben Jahr konnte ich meinen Job aufgeben. Dann ist mein Sohn auf die Welt gekommen…
    Heute könnte ich nicht mehr so viel arbeiten. Ich brauche viel Freizeit für mich, mit meinem Sohn und meinem Freund. Ich liebe Sport, Berg- und Radtouren inmitten der Natur. Daher packe ich alles nicht mehr. Wenn ich viel arbeite, habe ich keine Zeit für Haushalt, meinen Sohn und Sport. Heute ist gerade ein solcher Tag. Ich wollte weiter arbeiten, aber konnte den vernachlässigten Haushalt nicht mehr sehen. Gleichzeitig brauche ich jetzt wieder mehr Bewegung und Sonne. Die erste Reaktion war, mit dem Zug und meinem neuen MTB zum Tegernsee zu fahren. Dann habe ich jedoch festgestellt, dass es nichts anderes als die Flucht vor der Überforderung wäre. Ich habe mich für eine andere Lösung entschieden. Den halben Tag widme ich dem Haushalt, dann kann ich eine kleine Radtour machen und mit meinem Sohn schwimmen gehen. Arbeiten kann ich morgen, aber so komme ich nicht mal auf 20 Stunden in der Woche.
    Aus meiner Sicht ist die Selbständigkeit nicht einfach, wenn man eine Familie, ein großes Zuhause und Leidenschaften wie Sport hat. Überhaupt die berufliche Tätigkeit im Umfang von mehr als 20 Stunden. Deshalb bewundere ich alle Frauen, die alles gut hinkriegen und sich glücklich, nicht überfordert füllen.
    Liebe Grüße
    Ina

    Antworten
  7. Hallo Andrea,
    mich würde interessieren wie du die Buhchaltung machst. Hast du einen praktischen Tipp?
    Lieben Dank,
    Christine

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