Vor ein paar Tagen saß ich mit einer Bekannten zum Frühstück in einem Café. Ich hatte Sie bei einem Projekt unterstützt – und sie wollte sich auf diesem Wege bei mir bedanken. Eigentlich ja nichts Ungewöhnliches. Doch auch, wenn wir eigentlich noch nicht sehr eng befreundet sind, wurde unser Gespräch irgendwann sehr persönlich. Wir redeten über die Ehe, die Herausforderungen als Eltern und das Thema der oft totgeschwiegenen „Eheprobleme“ die in der Regel ja immer nur die Anderen haben. Oder die Freundin einer Freundin. Aber Hand auf´s Herz – wer beichtet schon gerne, dass es zu Hause vielleicht gerade nicht so ist, wie wir uns das eigentlich wünschen würden.

 

Eheprobleme gibt es fast überall – oder?!?

 

Das Besondere an diesem Gespräch war nicht nur, dass meine Bekannte und ich so schnell so persönliche Gespräche führten. Unser Gespräch war schonungslos ehrlich. Denn ich gestehe – Schönwetter kann ich nicht so gut. Und wenn etwas Scheiße ist, dann spreche ich das in der Regel auch so aus. Nicht immer eine besonders gute und beliebte Eigenschaft – aber so ist das nun mal mit mir. (Mit fast 40 habe ich fast schon gelernt auch diese Seiten von mir anzunehmen)

Nachdem meine Bekannte gerade eine Trennung von ihrem Mann und dem Vater ihrer Kinder hinter sich hat, erzählte sie, wie sich ihr Leben seit der Trennung verändert hat. Auf einmal zeigen – gerade viele Frauen – ihr „anderes“ Gesicht und verurteilen sie für ihre Trennung. Verstehen nicht, warum sie diesen Schritt gegangen ist und berichten von ihren eigenen Ehen und Beziehungen mit Puderzucker und Sahne oben drauf. Und während meine Bekannte redet frage ich mich:

  1. Gibt es diese Beziehungen wirklich? Partnerschaften in denen es keine Meinungsverschiedenheiten gibt und Streit?
  2. Warum beschreiben Frauen ihre eigene Beziehung vor einer „Freundin“ als so fehlerfrei?

Kind, Mann und Beruf – und alles ist immer eitel Sonnenschein. Geht das?

Mein Beziehungsmantra wenn es mal wieder etwas holpriger ist lautet: „Reibung erzeugt Energie.“ Und wenn mein Mann und ich unterschiedlicher Meinung sind, wenn wir uns nur auf die Nerven gehen und uns in schwachen Momenten fragen, warum wir uns „das Alles“ (alles ist dabei sehr individuell und situativ interpretierbar) an tun, dann versuche ich mit diesem Mantra meine Gelassenheit wieder zu finden. Das klappt nicht immer. Aber Hand aufs Herz: Was klappt schon immer…

Klar, sind das nicht immer gleich Eheprobleme, sondern vielmehr Meinungsverschiedenheiten, Streit oder Missverständnisse. Aber sie sind da, müssen gelöst werden. Manchmal klappt das gut. Und manchmal eben auch nicht. Man wird unfair, verletzt sich – und wenn alles gut läuft, dann findet man danach wieder zusammen. Mit ganz viel Glück auch näher als zuvor, da dieser Stolperstein all für allemal aus dem Weg geräumt ist.

Aber nicht alle von uns haben immer Glück – aus ganz unterschiedlichen, individuellen Gründen. Und dann fragen wir uns eben nicht nur, warum wir uns „das Alles“ antun, sondern ziehen eben auch unsere Konsequenzen daraus und trennen uns.

Gerade als Mutter sind solche drastischen Entscheidungen nicht leicht und bereiten im Vorhinein viele schlaflose Nächte, Sorgenfalten und viele offene Fragen, die auch Angst machen können. Da bin ich mir sicher. Und so komme ich zu meiner zweiten Frage:

 

Warum glorifizieren wir die Partnerschaft gegenüber anderen so sehr?

 

Meine Freundin berichtet mir von Freundinnen, die geraden nach bekannt werden ihrer Trennung due eigene Beziehung glorifizierten. Fast als hätte sie Angst bei Problemen, Streit oder Meinungsverschiedenheiten in der eigenen Ehe dem selben Schicksal zu erliegen.

 

 

Doch was bringt es uns, wenn wir so unehrlich sind? Uns selbst gegenüber und auch unseren Freundinnen (so wie meiner Bekannten). Dieses Verhalten verletzte meine Freundin, die ohnehin die aufgrund ihrer eigenen Entscheidung mit sich selbst streng ins Gericht ging besonders.

Ich würde mal behaupte nichts. So wie Unehrlichkeit am Ende meist niemandem hilft, sondern alles nur noch schlimmer macht.

 

Und um den Anfang zu machen, will ich ehrlich sein.
Zu mir, zu meiner Bekannten und zu Euch!

 

 

Bei uns ist nicht immer alles Sonnenschein! Wir führen ein Leben zwischen 3 Kindern, beruflichen Herausforderungen und eigenen Bedürfnissen.

Wir streiten uns. Wir haben unterschiedliche Meinungen. Wir gehen uns manchmal so richtig auf die Nerven. Wir fühlen uns Missverstanden, nicht wahrgenommen und nicht respektiert.

Wir haben schon viele tiefe Täler durchschritten wie nach der Geburt unseres ersten Kindes, als wir zum Paartherapeuten gingen. Während und nach unserer Wochenendehe. Und auch meine Selbstständigkeit führt wieder zu neuen Punkten die ausdiskutiert werden müssen und nicht immer beiden Seiten gefallen.

 

Das ist nicht immer leicht – das macht mein Herz manchmal sehr schwer und lässt mich manchmal zweifeln. Und hin und wieder fühle ich mich auch echt einsam mit diesem Gefühl.

 

Doch was ich in den letzten 12 Jahren meiner Ehe gelernt habe:

Wir müssen ehrlich zu uns sein! Zu uns selbst und zu unserem Partner. Wir müssen zuhören und reden. Wir müssen in den Arm nehmen und da sein. Ich muss mich auch manchmal streiten und selbst neu ausrichten. Ich muss manchmal zweifeln um am Ende wieder sicher zu sein.

Und dann ist Ehe eben auch Heimat. Und Ankommen. Und Familie. Und Wunderschön. Die Ehe ist oft eine Achterbahnfahrt. Wenn wir das akzeptieren ist es oft viel leichter.

Wenn wir darüber einfach ein bisschen ehrlicher kommunizieren würden – vielleicht wäre es dann am Ende etwas leichter für alle von uns. In Höhen und Tiefen. Meint ihr nicht?